Liebe Kollegen,

angesichts der Einführung der neuen TI-Anwendungen haben wir in unserer Gemeinschaftspraxis nochmal recherchiert und beschlossen, zunächts auf die Androhung der Kürzung von 1% des Umsatzes zu warten, bevor wir eine Funktion mit hohen Kosten aufrüsten, die vielleicht in den nächsten Jahren irgendwann mal nutzbar wird. Verweigert sonst jemand von Ihnen die Aufrüstung zum 1.7.?

Viele Grüße DS
Gefragt von (450 Punkte)
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Das ist in der Tat ein Rechenexempel.

Auf 1% kann man verzichten und mehr Privatleistungen anbieten.

Ich habe den e HBA. Weiß aber gar nicht wofür ich den einsetzen soll. Weil ich den habe kann mir nix abgezogen werden. Ich rate auch jedem Patienten dringend davon ab die elektronische Gesundheitskarte mit PIN zu verwenden dort die Daten speichern zu lassen. Ich glaube das hat viel eher einen Effekt. Ich habe auch kaum Patienten die eine solche Karte besitzen.

Allerdings sind meine Patienten alt und werden nicht krankgeschrieben.
Beantwortet von (11.6k Punkte)
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Wir haben bisher jede Form der TI verweigert, da die datenschutzrechtliche Seite der TI völlig ungeklärt ist, eine gesetzlich vorgeschriebene Datenschutzfolgeabschätzung ist auf Grund fehlender Vorleistungen der Gematik nicht durchfürbar und fahren damit recht gut: Null Ausfälle des Praxissystems, bisher überschaubare Kosten, die sogar deutlich geringer sind als die "Folgekosten" der TI, die nicht erstattet werden. Die Analysen des CCC und schon mehrfach im Netz aufgetauchten Patientendaten zeigen, wie unsicher das ganze überalterte Flickwerk Gematik ist. Im Einzelfall drohen Ihnen pro Verstoß bis zu 50.000€ Strafe! Man kann nur hoffen, das dies Projekt endlich einer wirklichen wirtschaftlichen und inhaltlichen Prüfung unterzogen wird, wenn der Protektismus des Herrn Spahn ein Ende hat.
Beantwortet von (220 Punkte)
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Ich muß jetzt doch mal in die andere Richtung argumentieren:

Die Umsetzung der Telematik ist sicher nicht toll, hier hätte ich mir andere Lösungen gewünscht, da kann ich jede Kritik verstehen. Aber diese Verweigerungshaltung kann ich nicht mehr wirklich nachvollziehen, da kann ich verstehen wenn wir Ärzte immer mehr als Dinosaurier gelten, die sich jeglicher technischer Neuerung verschliessen. Wie lange wollen wir noch Faxe versenden? Mit den Full IP Anschlüssen machen die nur noch Probleme, Qualität ist grottenschlecht. Es gibt hier im Forum immer wieder Kollegen die mehr per E-Mail machen wollen und Datenschutzbedenken diesbezüglich in den Wind schlagen. Aber KIM ist jetzt ein Problem? Hätte man bestimmt besser machen können, aber es ist ein Anfang und ich würde mich freuen endlich Mails per KiM statt unleserliche Faxe zu erhalten. Und das NFDM hätte ich mir in meiner Zeit im Schockraum damals sehr gewünscht, was haben wir die Patienten durchsucht um vielleicht in irgendeiner Tasche einen Medplan zu finden... Als Hauarzt hoffe ich außerdemauf regen Nutzung des eMP: jeder Facharzt ändert irgendwelche Medis, es ist eine kaum zu bewerkstelligende Arbeit den Medplan aktuell zu halten. Wenn dann das KH anruft und für einen Patienten einen Medplan haben möchte schicken wir immer wieder falsche Medpläne raus, weil wir es einfach nicht besser wissen...

Das Geschrei war damals in Hamburg auch groß, als die Abrechnung ohne Computer abgeschaft wurde. Möchte jetzt noch jemand von Ihnen tausende Scheine ordnen?

Wie gesagt, man hätte vieles besser machen können, da stimme ich zu. Aber vielleicht sollten wir Ärzte mehr Kraft darauf verwenden, die Telematik mitzugstalten als immer nur zu verweigern.

Eine 100%ig sichere Lösung, das ist mir wohl klar, wird es nicht geben. Aber sind denn Karteikarten sicher gewesen? Oder Briefpost? Unseren Briefkasten kann man sicher knacken.... Der Datenschutzt ist fraglos wichtig, aber solche Blüten wie das in Hamburg keine Impfzertifikate für Impflinge des Impfzentrums per Briefpost verschickt werden können, weil das die 2xunterschriebene Datenschutzerklärung nicht erwähnt, machen mich rasend. Irgendwann wird sich die Feuerwehr nach einem Notruf auch erst auf den Weg machen, wenn man die Datenschutzerklärung unterschrieben hat...

Insofern: Hurra schreie ich auch nicht, es ist mal wieder eine typisch deutsche Lösung, die durch ihre Komplexität endlps braucht und am Ende recht mitelmäßig ist. Aber lasst uns doch mal vorurteilsfrei nutzen, was da jetzt ist und dann Verbesserungen fordern, wo es hakt.

Ich habe übrigens seit über 2 Jahren meinen Konnektor, auch keinen "Totalausfall des Systems" gehabt und die Kosten habe ich alle erstattet bekommen. aktuell habe ich sogar Geld für 3 eHealthlesegeräte bekommen und habe nur 2 angeschafft. Das einzige was mich ärgert ist das ich den eHBA nur halb erstattet bekomme, aber wenn diese Kosten höher sind als 1% meiner Vergütung sollte ich mir wohl Gedanken über mein Geschäftsmodell machen...
Beantwortet von (3.7k Punkte)
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Danke für die differenzierte Betrachtung, da bin ich grundsätzlich ganz bei Ihnen. Süß finde ich allerdings Ihre Hoffnung, die Landschaft mitgstalten zu können.

Ich bin auch und gerade bei der TI early adopter bisher gewesen, aber das hat bisher einen Nutzwert sub-zero gehabt.

Natürlich habe ich einen Konnektor, habe das KIM-Update im März auch direkt einspielen lassen und damit gerechnet, das nutzen zu können. Mein Beitrag zielte eher in die Richtung, einfach mal abzuwarten, wann das ganze läuft.

Seit zwei Jahren versuche ich regelmäßig, den E-Arztbrief falls möglich zu verschicken, habe sicher zig E-Arztbriefe verschickt, ohne dass einer beantwortet werden würde, im Regelfall wird ein Brief per Fax nachgefordert.

Die eAU solte ab Januar laufen, läuft bis heute nicht? Neues Startdatum soll der 1.10. werden...

ePA steht bisher keinem Patienten zur Verfügung, weil die Kassen noch nicht aufgerüstet haben...

Klar werde ich, sobald das tatsächlich funktioniert, auch das Update und eHBA usw. beantragen. Meine Frage zielte eher dahin, ob irgendjemand schon tatsächlich Sanktionen angedroht bekommen oder erfahren hat, weil er später aufgesprungen ist

Nach so vielen Enttäuschungen werde ich einfach mal abwarten und dieses eine Mal erst aufsteigen werde, wenn tatsächlich eine Lösung funktioniert.
Dann ging mein Beitrag wahrscheinlich nicht unbedingt in Ihre Richtung. Wie gesagt: die Kritik die Sie äußern finde ich mehr als berechtigt, was Deutschland da fabriziert ist unterirdisch. Ein polnischer Freund erzählt mir regelmäßig wie das in Polen läuft, die lachen über die Telenmatik hier, Israel und Dänemark sind andere Beipiel, wo es wesentlich moderner läuft. Ist sicher zum Teil dem in Deutschöland doch sehr sensiblen Thema Datenschutz geschuldet, ob ich den gläsernen Patienten wie in Israel sinnvoll finde, weiß ich nicht so recht.

Aber anders als bei Ihnen erlebe ich bei vielen Kollegen eine Blockadehaltung, es gehört in gewissen Kreisen schon fast zur politischen Korrektheit die Telematik nicht zu unterstützen und die 1% Abschlag als "mein Beitrag zur Datensicherheit zu akzeptieren". Da wiird man dann fast gemobbt, wenn man selber das nicht mitmachen will. Als im 19 Jahrhundert Eisenbahnen gebaut wurden, gab es dieselbe intellektuelle Blockade dagegen: Es wurden gesundheitliche Schäden und neurolgische Schäden durch das schnelle Reisen vorhergesagt....

Wahrscheinlich haben Sie recht, daß unsere Mitgestaltungsmöglichkeiten nicht groß sind. Aber die großen Ärzteverbände haben sicherlich ein wenig Gehör bei der KBV, und die sind zwar nicht die großen Revoluzzer, aber manchmal erreichen sie schon was: Das eRezept wurde verschoben, weil die Komfort Stapelverarbeitung (oder so ähnlich) noch nicht klappt. Der Bund wollte, das wir für jedes Rezept die 6 Stellige Pin eingeben, illusorisch. Hier hat die KBV alle Hebel in Bewegung gesetzt, daß es so nicht umgesetzt wird, letztlich erfolgreich, wir werden dann nur einmal pro Tag die PIN eingeben müssen, das bekomme ich wohl hin...

Und schlußendlich funktioniert das NFDM prima, und da sehe ich den ersten Mehrnutzen für Ärzte und Patienten.

Lieber Herr Erich,

Sie lassen uns zum Glück ja immer auch bei Ihnen am System mitfummeln und versuchen nicht, die Sachen ganz allein so creativ einzustellen, dass es eine Menge Arbeit ist, das Rad wieder zum laufen zu bekommen ... smiley

Mit bestem Gruß von der tubbeTEC GmbH
IT-Services für Ärzte in Hamburg und Bielefeld
 

Die datenschutzrechtliche Seite bzw. das Verhältnis zur gematik dürfte aufgrund der Erklärung der gematik zur Haftung in der TI als etwas entschärft anzusehen sein:
.....
Sofern die zugelassenen Komponenten (insbesondere der Konnektor) der TI bestimmungsgemäß verwendet werden und gemäß den mit dem BSI abgestimmten und im Betriebshandbuch der Komponente beschriebenen Anforderungen durch den Leistungserbringer aufgestellt und betrieben werden, scheidet eine Haftung des Leistungserbringers nach der DSGVO in jedem Fall aus.
....
Den gesamten Wortlaut der Erklärung findet man auf den Seiten der gematik oder im Downloadbereich meiner Webseite www.rechtsanwalt-frotscher.de
Die Anforderungen an den bestimmungsgemäßen Betrieb des Konnektors durch die Arztpraxis finden sich in der Anlage 5 der Sicherheitsrichtlinie der KBV vom Dezember 2020 und sind nicht einfach einzuhalten. Bei einem Schaden und einer nachgewiesenen Nichtbeachtung der Richtlinie droht allerdings eine Haftungsverschiebung auf die Arztpraxis.
Gruß aus Lippstadt vom Arztgatten (RA J. Frotscher)

Beantwortet von (1k Punkte)
+1 Punkt

Anlage 5 der Sicherheitsrichtlinie der KBV vom Dezember 2020

Hätten Sie dazu vielleicht einen Link? 

vielen Dank!
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