Ich habe in meiner Praxis seit ca. 3 Monaten das eRezept (fast) vollständig eingeführt. An dieser Stelle möchte ich einerseits meine positiven Erfahrungen teilen und andererseits aufzeigen wo es bei uns in der Praxis im Ablauf noch hapert.
Beginnen möchte ich mit der Darstellung des praxisinternen Workflows:
Fall 1: Ein Patient bestellt ein Rezept (Dauermedikation). In diesem Falle bereitet die MFA dieses vor und speichert es ab. Die entsprechenden eRezepte signiere ich dann nach der Sprechstunde als Sammelsignatur, bzw. über die Komfortsignatur. Das funktioniert übrigens auch problemlos von zu Hause aus per VPN. Die fertigen eRezepte verbleiben in der Kartei und werden bei Bedarf von der MFA ausgedruckt, zB wenn der Patient das Rezept in Papierform abholt. In diesem Falle sehe ich folgende Vorteile des eRezeptes: 1. Weniger Sortiererei für die MFA. 2. Es geht kein Rp mehr unter weil es irgendwo zwischen lag. 3. Problemlose Bearbeitung auch von zu Hause. Kein mitschleppen von Rp-Formularen. 4. Schnellere Bearbeitung auch Dank gleichzeitiger Darstellung des Medplans und 1-Click-Aufruf von MedDatenbank oder PatKartei. 5. Einige Patienten haben schon die eRp-App für diese weniger Wege und schnellere Bearbeitung sowie für uns wegfallende Ausgabe des Ausdrucks.
Fall 2: Ich verordne in der Sprechstunde eine Medikament. In diesem Falle wird das eRezept und der Patientenausdruck sofort erzeugt. Das ganze dauert nur wenig länger als das klassische Rezept. In der Zwischenzeit kann man problemlos weiter arbeiten. In diesem Falle sehe ich weder Vor- noch Nachteile durch das eRezept.
Fall 3: Ein Patient braucht sein Rezept "ganz dringend" da ihm erst heute morgen aufgefallen ist das er gar keine Tabletten mehr im Blister hat. Das versuchen wir zu vermeiden, falls doch notwendig erzeugt die MFA analog zu Fall 1 das Rezept und gibt mir einen Hinweis mittels Nachricht. Ich signiere das Rp dann und die MFA druckt es aus. Das ganze dauert in der Regel etwa 10 Sekunden. Es stellt zwar eine Störung des Ablaufs dar ist aber besser als rennen zu müssen (egal ob Arzt oder MFA), zudem sinkt die Wartezeit für den Patienten.
Folgende Probleme bestehen im Workflow mit Verbesserungswünschen:
Fall 4: Ich habe getrödelt und das Rezept nicht taggleich signiert, jedoch am Folgetag. In diesem Falle muss für jedes einzelne Medikament bestätigen, dass ich es mit neuem Datum signieren möchte. Das nervt. Eine Möglichkeit wie: "Ja und für alle folgenden" wäre super.
Fall 5: Ich habe getrödelt und das Rezept nicht taggleich und auch nicht am Folgetag signiert (passiert gerne mal freitags). In diesem Fall sind die vorbereiteten Rezepte nicht mehr nutzbar. Eine Anfrage bei Support ergab, dass dies eine KBV Vorgabe ist. In diesem Falle muss die MFA alle Rezepte löschen und händisch neu ausstellen. Eine völlig sinnbefreite Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nun wird sich zollsoft nicht über die KBV-Vorgaben hinwegsetzen können. Meine Idee wäre hier die Tätigkeit der MFA zu automatisieren. Eventuell ist ja eine Funktion wie "kopiere die Verordung und lösche die Alte" KBV-konform, da es sich ja technisch um einen neuen Datensatz handelt. Ich bitte eindringlich hier alle Möglichkeiten zu prüfen. Dies ist mit Abstand das größte Ärgernis.
Fall 6: Ein verordnetes Medikament in nicht lieferbar. Die Apotheke möchte ein neues Rezept zB für eine andere Wirkstärke, Dareichungsform oder was auch immer. In diesem Falle stornieren wir das Rezept teils ist das nicht möglich auch wenn der Mitarbeiter der Apotheke Stein und Bein schwört das er das eRezept "zurückgewiesen" hat. Mir ist bewusst, dass das möglicherweise problematisch ist, aber um das Problem zu lösen wäre es manchmal hilfreich wenn man wüsste wo das eRezept gerade liegt. Die KV-konnte da bisher nicht helfen. Möglicherweise geht das datenschutztechnisch auch nicht. Ich wollte an dieser Stelle nur auf das Problem hinweisen.
Darüber hinaus folgende Wünsche:
- Ein Hinweis oder eine Markierung ob für ein vorbereitetes eRp ein gültiger Schein vorliegt wäre gut. Hier besteht Regressgefahr.
- Die Möglichkeit das Patientenfoto neben dem Namen dar zustellen.
- Ausblenden abgesetzer Medikation aus dem Medikamentenplan, dafür Einblenden von Hinweisen aus dem BMP
- Der Abruf der Medikamentendetails ist etwas umständlich. Hier ist zwar das korrekte Medikament vorausgewählt jedoch werden die Details nicht angezeigt, sondern erst wenn man auf eine anderes Medikament und dann wieder aus das richtige geklickt hat. 2. Klicks zu viel.
- schön wäre auch wenn Rezepte von "Sonstigen Kostenträger" (Lamdespolizei, Feuerwehr, Sozialamt) welche in der Regel nicht das eRezept unterstützen automatisch auf Muster16 ausgestellt werden. (Gilt übrigens auch für die eAU)
Abschließend noch ein paar Worte zu der Zusammenarbeit mit den Apotheken: Ich habe im Vorfeld der Einführung das Ganze bei einzelnen Patienten mit einzelnen Apotheken angetestet, als das funktioniert hat haben wir alle Apotheken angesprochen ob sie technisch bereit sind. Dies war zwischenzeitlich der Fall. Bei den ersten eRezepten haben einige PTAs Schweißausbrüche bekommen, aber letztlich hat alles geklappt. In der Anfangszeit gab es verschiedene Probleme, in den meisten Fällen saß das Problem jedoch vor dem Rechner. Klassiker: Pat geht zu Apo A und liest eRp ein. Med nicht da. Pat erhält den Patientenausdruck zurück. Pat geht zu Apo B. Dort funktioniert das eRp nicht. Anfrage in der Praxis. Was war das Problem? Apo A hatte nur den Ausdruck zurückgegeben, das eRp aber nicht elektronisch "zurückgewiesen" war demnach faktisch noch im Besitz des Rezeptes. Daher konnte der Patient das Rezept korrekterweise in Apo B nicht einlösen. Inwischen besteht bei den Apotheken und besonders bei den Mitarbeitern deutlich mehr Sicherheit, sodass wir nur noch selten Anfragen erhalten. Hier hat sich bewährt mit den Leitern der Apotheken im Gespräch zu bleiben, damit diese die Probleme im Team besprechen und entsprechend schulen können.
Fazit: Die Umstellung auf das eRezept hat erstaunlich gut funktioniert. Auch der Dauerbetrieb funktioniert erstaunlich gut. Mit einigen Apotheken gab es Probleme, wobei hier gilt wie sollen die Apotheken sich vorbereiten und das Verfahren üben wenn keiner eRezepte ausstellt. Für mich persönlich überwiegen die Vorteile. Für meine Patienten war es erstmal komisch einige fanden es total super inkl. Nutzung der App, andere waren skeptisch. Durch den Patientenausdruck muss sich für den Patienten im Prinzip nichts ändern außer das das Formular anders aussieht. Wir drucken die eRezepte übrigens (nicht ganz KBV-konform) auf weißes A6 Papier aus. Das funktioniert bestens und gibt den Patienten das Gefühl auch weiterhin ein richtiges Rezept in der Hand zu haben. Wir konnten uns dadurch die Anschaffung von weiteren Druckereinzügen für das A5-Format sparen.