Yanina Sy
Da hier die ganze Zeit so schön über die Fachärzte geschimpft wird, möchte ich auch mal etwas über uns und die Hausärzte loswerden.
Ich betreibe seit eineinhalb Jahren eine psychiatrische Praxis, nehme Labor selbst ab, irgendeinen Bonus kann man bei uns vergessen, da der Nachweis der Medi-einnahme sehr teuer ist. Auch stellen wir natürlich auch unsere AUs selbst aus und die Facharztberichte gibt es am selben Tag per KIM.
Und da sind wir schon beim ersten Thema, leider schauen die lieben Hausärzte entweder gar nicht was so per KIM ankommt, oder sie sind seltsamerweise technisch nicht in der Lage. Von unseren ca. 300 Berichten im Quartal, kommen ca. 30 Nachfragen, wann denn endlich der Bericht kommt, den wir dann nochmals per Fax schicken. Es lebe die Digitalisierung.
Des weiteren stellen viele Hausärzte liebend gerne AUs für vermeintlich psychisch Kranke aus, und das über mehrere Monate. Erst wenn dann die KK meckert, dann wird mal eine Überweisung an den Facharzt ausgestellt.
Und jetzt erklären Sie mal dem Patienten, der nix hat, außer kein Bock zu arbeiten, warum der böse Facharzt das plötzlich ganz anders sieht.
Christian Klaproth
Hallo Herr Reschke,
Bei mir soll der Radiologe möglichst keine Befunde mit den Patienten besprechen. das gibt nur Durcheinander. In der Klinik haben die Anästesisten meinen Patienten auch allen möglich Quatsch erzählt. Derjenige, der eine Röntgenaufnahme ein Ct MRT beauftragt hat ja sicherlich auch eine Fragestellung, die er dem Patienten beantworten soll. Leider werden viele unnötige Leistungen ohne Sinn und Verstand in Auftrag gegeben. Was soll denn der Radiologe dem Patienten sagen, der hat doch die Therapie nicht in der Hand?
Stefan Reschke
Das können Sie ja machen wie Sie wollen. Ich habe jedenfalls nicht die Ressourcen jeden MRT/CT Befund mit dem Patient zu besprechen. Vor allem wenn es um Verläufe geht.
Ebenfalls habe ich auf meinen Überweisungen immer eine Fragestellung an den Kollegen. Sollte der Patient dann ein fachärztliche Problem haben ( Bandscheibenprolaps mit Affektion, Kreuzband/Meniskischäden etc...) dann kann auch ein Radiologe an den Facharzt weiterüberweisen. Ich kreuze immer an " Mit- und Weiterbehandlung".
Aber lieber von "Pontius zu Pilatus" den Pateten schicken, Zeitressourcen verschwenden und dann ist dem Patient immer noch nicht geholfen.
Abgehsen davon, wie oft bekommt man heute noch Befunde , bzw wie oft zeitnah!?
M-C Thode
Lieber Herr Kollege Reschke, was ist denn am letzten Punkt so falsch? Wir haben erstmals dieses Jahr das Problem dass wir erst Termine in einem Jahr anbieten können. Und da ist es doch nicht so falsch den Hausarzt als Gatekeeper einzubinden. Und wenn dann Sie als Hausarztpraxis den Termin machen bekommen Sie doch einen ziemlich großen Zuschlag zur Grundpauschale (immerhin 15 Euro, das ist nur 1 Euro weniger als unsere Grundpauschale von 16 Euro). Und wir bekommen die TSS/Hausarztvermittlungszuschläge. Ist doch eine win-win-Situation. Wenn die Kürzungen im GKV-Bereich weitergehen und die Kosten weiter so steigen dann bleibt doch gar nichts anderes übrig...
Ansonsten golt doch: wer Untersuchungen veranlasst muss auch die notwendigen Voruntersuchungen veranlassen oder selbst machen.
Viele Grüße
Thode
Johannes Stößel
Leider benutzen viele Fachärzte diese Terminvermittlung als Erpressung. Da ruft der Patient an, dass er einen Termin braucht. Dann bekommt er gesagt, wenn der Hausarzt eine Dringlichkeitsüberweisung ausstellt geht es aber schon innerhalb weniger Tage. Das empfinde ich als Erpressung, die wir als Hausarztpraxis auch wieder auszubaden haben. Denn dann beschwert sich der Patient ja bei uns, dass er nicht schneller dran kommt.
Christian Klaproth
Hallo Herr Thode
das sehe ich genau so. Der Hausarzt hat hier eine wichtige Steuerungsfunktion, die auch bezahlt wird. Die Ordination einschließlich eines ausführlichen Befundberichts wird im Verhältnis schlechter vergütet. Von meinen Zuweisern erhalte ich nur viel Glück verwertbare Vorinformationen. Da macht sich keiner die Mühe Kranlheitsverläufe oder die Vorgeschichte zusammen zu fassen. Schriftliche Informatioenen meist unleserliches Gekritzel.
Patienten wollen immer alles sofort und machen Bagatellen dringlich, Damit werden wichtige Termine für dringliche Fälle verknappt. Und gerade da hat der Hausarzt eine wichtige Steuerungsfunktion, die er auch bezahlt bekommt. Ich habe meinen Zuweisern die Möglichleit gegeben über den Onlinekalender Termine als HAV zu vergeben. Das geht schneller als anzurufen oder anderweitig einen termin zu vereinbaren. Gleichzeitig können wichtige befunde übermittelt werden.
Jan Erich
Ich glaube es gibt tatsächlich auf beiden Seiten problematisches Verhalten. Ich für meinen Teil habe kein Problem Befunde mit den Patienten zu besprechen, daß ist bei der Hausarztzentrierten Versorgung sogar eine der großen Argumente und halte ich für meine Aufgabe. Außerdem bin ich ja meist, wenn ich die Überweisung ausgestellt habe, selbst auch interessiert was bei der Untersuchung herausgekommen ist. Nerven tut es mich allerdings, wenn Fachärzte die Patienten untersuchen und denen dann kein Wort sagen, was sie gefunden haben mit dem Verweis, das könne ja der Hausarzt tun. Das ist arrogant, die Patienten denken sie haben wer weiß was und wollen bei uns möglichst vorgestern einen Termin. Und dafür werden wir nicht bezahlt, eine fachärztliche Konsultation schliesst schon auch die Kommunikation mit dem Patienten ein.
Die Terminvermittlung nutze ich auch gerne. Aber auch da muß man differenzieren: Die Vermittlung über die KBV Seite funktioniert prima, ebenso Lösungen wie bei Dr.Klaproth. Bei Praxen, die meinen wir müssen telefonisch durchkommen und keine Arztnummer haben weiger ich mich, da hat man tatsächlich auch als Hausarzt keine Zeit in den Warteschlangen zu hängen. Wir haben eine Kardiologisch-Pneumolgische Gemeinschaftspraxis in der Nähe, bei denen der Pulmonologe gerne mal zum Patienten sagt, die Dyspnoe könne auch kardiologisch bedingt sein und er solle dringend mal in den nächsten 2 Wochen zu seinem Kardiologen. Die MFAs sagen den Patienten dann, das ginge nur wenn der Hausarzt anruft.... da fällt mir dann nichts mehr zu ein.
Wir Hausärzte dürfen übrigens maximal 15% unserer Überweisungen über Terminvermittlung abwickeln. Deswegen bin ich auch sehr reserviert bei den Kollegen, die meinen sie tricksen das system jetzt aus indem sie jeden Patienten zu uns schicken damit alle Fälle mit Zuschlägen abgerechnet werden können; das läuft so nicht.
Und zu den fehlenden Vorimformationen: Ich habe lange genug im fachärztlichen Bereich gearbeitet um nachvollziehen zu können, daß das nervt. Kommunikation ist so ziemlich das wichtigste in der Medizin, ohne kann die teuerste Medizin nicht funktionieren, daß müssen wir Hausärzte leisten! Ich gebe mir immer sehr viel Mühe bei meinen Überweisungen, es gibt allerdings auch schon Fachärzte bei uns die wollen die gar nicht haben: kostet zu viel Zeit die ins System einzugeben und dann ist man auch noch zu einem Bericht verpflichtet... Anderherum kennen wir Hausärzte daß von den Krankenhäusern: die haben heute seitenlange vorläufige Berichte, in denen zwar alle Befunde automatisch aufgelistet werden, aber alles relevante steht nicht drin: weshalb hat der Patient 3 neue Medikamente, die zu keinem der Diagnosen passen ("ach, die können Sie absetzen, das war nur so ein Versuch"), Kumulativlabor wird anders als erwähnt im Textbaustein nicht mitgeschickt und die notwendige Laborkontrolle steht dann erst im endgültigen Bericht der nach 4 Wochen kommt (" dringend noch mal das Krea kontrollieren!"), wobei man immer auf detektivische Suche gehen muss, wo dieser Bericht denn vom vorläufigen abweicht, da das meistens die wichtigen Infos sind. Das UKE hat es letztens geschafft, bei einer Bypass-OP einen Eventrekorder zu implantieren, dies weder dem Patienten mitzuteilen noch im Arztbrief zu erwähnen. Der Patient kam dann irgendwann und fragte, was er da seltsames in der Brust taste... beim Auslesen kam dann auch heraus, daß der Rekorder noch nicht mal aktiviert war. Daran krankt die Medizin in meinen Augen: Das Geld für einen Eventrekorder ist kein Problem, aber die 5 Minuten für das Gespräch sind nicht drin.
Ich glaube wenn sich alle Seiten etwas Mühe geben ihren Job zu machen wäre allen geholfen: Wir Hausärzte sollten bei der Basisversorgung an der Seite der Patienten stehen und vielleicht auch mal das Wörterbuch Medizin/Deutsch spielen, die Fachärzte sollten uns nicht als Servicestelle für alles was kein Geld bringt sehen. Ich glaube auch das machen auf beiden seiten 75%. Die restlichen 25% nerven.
Martin Deile
Jan-Hendrik Haneke
https://www.kvno.de/meta-navigation/suche/news/nachricht/veranlassung-von-laboruntersuchungen
Einfach Copy and Paste des Textes in Word übertragen und dann Ausdrucken - Fertig.
Sollten trotzdem seitens des Patienten Laborwünsche bestehen, bieten wir diese gerne als Privatleistung an. Jeder Laborwert auf Wunsch des Patienten, der nicht einem Symptom oder vermutetem Krankheitsbild unsererseits zugeordnet werden kann, ist eine Privatleistung.