Johannes Stößel
Hallo! Ich ärgere mich im Moment immer mehr über fachärztliche Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeit auf uns Hausärzte abwälzen wollen. AU: macht der Hausarzt, KG: macht der Hausarzt, wir benötigen ein MRT: Hausarzt soll die Überweisung ausstellen usw.
Und dann noch die Laborwerte, die Fachärzte für ihre eigene Therapieentscheidung bei uns "bestellen". Nicht nur, dass es auf unser Budget und unseren Wirtschaftlichkeitsbonus geht, ich muss ja auch das Personal bezahlen. Jeder FA hat doch sein eigenes Budget und streicht dann schön den Bonus ein.
Wie handhaben das andere Kollegen?
Grüße Johannes Stößel
Andreas Cepin
Hallo Kollege Stößel!
Schade dass Sie sich über fachärztliche Kollegen ärgern müssen. Ich schreibe als Augenarzt meine AUs selber und schicke auch selbstständig zum MRT wenn erforderlich.
Im Zweifel habe ich bislang immer ein persönliches, kollegiales Gespräch als hilfreich empfunden um Verstimmungen aus dem Weg zu räumen.
(ganz doof ist es, wenn man sich der Ärztekammer gegenüber erklären muss weil sich ein Kollege über einen beschwert hat)
Johannes Stößel
Danke für Ihre aufmunternden Worte. Ich habe aber noch eine andere Frage an Sie: wenn sie ein MRT veranlassen, wie bekommt der Patient dann den Kreatinin Wert, den der Radiologe möchte? Führen Sie da die Blutentnahme selber durch oder schicken Sie den Patienten zum Hausarzt?
Andreas Cepin
Tja, da müsste ich tatsächlich den Hausarzt bemühen, weil ich gar keine Blutabnahmen mache. Diesen speziellen Wunsch hatte ich allerdings in inzwischen 19 Jahren noch nie.
Johannes Stößel
Und auch solche Anfragen sind eben sehr häufig und schlagen sich auch auf unseren Wirtschaftlichkeitsbonus. Und auch hier muss ich ja die Arbeitskraft meiner MFAs bezahlen. Und aus diesem Grund frage ich, wie das sonst gehandhabt wird. Es besteht ja auch für Fachärzte die Möglichkeit, eine Überweisung zu einem Laborfacharzt auszustellen.
Christian Klaproth
Moin Herr Stößel,
Wenn die MRT oder andere weiterführende Diagnostik in den Fachbereich des Facharztes fällt, sollte der auch den Auftrag samt Fragestellung erteilen. Das mache ich grundsätzlich auch so, denn ich kann nicht erwarten, dass der Allgemeinarzt sich damit auskennt. Wenn es um die Labordiagnostik beispielsweise vor KM CT geht (Crea und TSH), dann benötigt der Radiologe die Werte in einem zeitlichen Abstand von max. 7 Tagen. Diese Aufgabe übertrage ich an den HA, damit die Patienten zur Blutentnahme nicht weite Wege zu mir in Kauf nehmen müssen.
Aber nicht nur Sie ärgern sich über Ihre Kollegen. Ich vermisse ebenso regelhaft eine Fragestellung oder auch nur Mitgabe von Vorbefunden oder dem Medikationsplan. Wir sollten alle aufeinander Rücksicht nehmen. Vielleicht hilft ja mal eoin kollegiales gespräch mit Ihren schwarzen Schafen.
Joseph Lipp
1. KREA vor MRT ist totaler Quatsch ( Zitat eines Chefarztes für Radiologie). MRT belastet nicht wirklich die Niere!
2. Auch Radiologien haben ein Laborbudget--> Für CT-Untersuchungen sind die Radiologien für KREA und TSH BE verantwortlich, wenn ich hier was drigendes Möchte (z.B. nen CT in 24-80h) dann mach ich das als HA damit der Pat. nicht doppelt rennt.
3. Hier würden die Labor MIOs in der ePA helfen... aber leider verlieren die ja wieder an Bedeutung in der Planung.
Jan-Hendrik Haneke
Hallo Herr Kollege Stößel,
uns geht es in Frankfurt ebenso als Hausärzte. Und ich finde dieses Weiterleiten der Patienten bez. budgetrelevanter Leistungen alles andere als kollegial und eine absolute Zumutung. Solche Blutennahmen und MRT-Anfragen werden konsequent an die Fächärzte zurückgeschickt oder weitergeleitet incl. eines Handzettels der KV, dass Blutabnahmen vom Facharzt selbst durchzuführen sind. Interessanterweise können die selben Kollegen bei Privatpatienten die Laboruntersuchungen doch tatsächlich sebst durchführen.
Johannes Stößel
Sie haben tatsächlich einen Handzettel der KV dazu? Können Sie mir diesen bitte mal zukommen lassen?
Jan Erich
Ja, wir sind da inzwischen auch zickig. In einer Stadt wie Hamburg sind die Wege zum Facharzt meist nur unwesentlich weiter, daher ist das kein Argument. Und wir erleben oft, daß der Patient vormittags beim Facharzt ist und dort problemlos gleich Blut abgenommen werden kann, es aber einfach nicht gemacht wird. Kostet Personal und bringt kein Geld, im gegenteil, evt. kostet es den Laborbonus. Lentztendlich betrifft es maximal ein Viertel der Fachärzte, aber mit denen ist es auch schwer darüber zu reden: Eine Neurologenpraxis aus der Gegend schickt uns bei V.a. Polyneuropathie immer einen Bestellzettel: div. Vitamine, Borreliose, anti-Hu AK etc. PP. Labor für bestimmt 250 Euro... Ich habe das Gespräch gesucht (mit der Kollegin habe ich ein Jahr sehr nett im KH zusammengearbeitet. Antwort: Wir sind eiine Großversorgerpraxis und haben dafür weder Budget noch Zeit... nee klar, aber wir Hausärzte langweilen uuns däumchendrehend in unserer Praxis und freuen uns wenn wir beschäftigt werden. Und wie sie sagen: bei Privatpatienten geht es dann auf ein Mal, da wird dann die gesamte internistische Schiene mit abgenommen (die wir dann natürlich dem Patienten erklären sollen).
Am meisten rege ich mich aber über die AU Anfragen auf: Da werden Patienten oft stundenlang warten gelassen, um kurz einen FA (hier hatten wir zum Beispiel einen berüchtigten Handchirurgen)zu sprechen, für eine AU wird der arme Patient dann nochmal zu uns gejagt, wo er wieder warten muss, nur weil der Kollege zu faul ist ein Stück Papier auszudrucken.
Mit den meisten Fachärzten komme ich wunderbar kollegial aus, aber einige bringen mich echt auf Zinne...
Das im hausärztlichen Bereich auch einiges schief läuft, ist natürlich auch richtig, sowohl früher in meiner KH Zeit als auch jetzt im Notdienst wundere ich mich manchmal, was für unfähige, chaotische Glücksritter da am Werk sind. Und bei der aktuellen Problematik, einen Hausarzt zu finden, sind die trotzdem immer voll.
Rico Becker
Bei uns die gleiche Lage, alles wird auf den Hausarzt abgewälzt. Das Schreiben von der KV würde mich auch brennend interessieren. Gerade wieder gehabt, Patient in ausschliesslich orthopädischer Behandlung, wird zu uns geschickt für die AU, er stelle grundsätzlich keine aus! Wir erhalten nicht mal den Facharztbericht auf mehrfache Rückfrage, somit kann ich nicht mal die AU begründen, insbesondere nicht die Dauer. Sehr ärgerlich bei uns und den Patienten. Ich vermute 2 Gründe: Frust wegen Neupatienten-Regel-Abschaffung ( solls dich der doofe Hausarzt machen) und /oder keine Lust sich mit eAU auseinanderzusetzen.
Johannes Stößel
Anscheinend bin ich ja nicht alleine mit der Problematik und muss immer diskutieren. Wie gehen Sie denn um mit solchen Dingen? Machen Sie es trotz des Ärgers?
Rico Becker
Bis jetzt machen wir es zähneknirschend. Habe wegen der Problematik Laborbudget mit der KV gesprochen, willte wissen ob es da nicht Ausnahmeziffern gibt, wenn wir schon Krea und TSH z.B. abnehmen, die mußten wihl lange recherchieren und haben mir dann mitgeteilt es geht in unser Budget, aber da wäre ja noch ein bisschen Luft! Ja warum wohl! Weil wir täglich mit den Patienten diskutieren, dass eben nicht mal wieder nach 3 Monaten der Blutrundumschlag gemacht werden kann, nur mal so um es halt zu wissen dass alle Werte in Ordnung sind. Dafür verbraten wir es dann lieber für andere ( auch bei uns die Neurologen, mit Auftrag B-Vitamine, Elektrophorese, etc). Aber bis jetzt haben wir noch kein Fass aufgemacht! Sollten wir vielleicht, aber man will es sich ja auch nicht mit den Kollegen verscherzen... Außerdem stehe ich ein bisschen auf dem Standpunkt das Spiel" divide et impera" Hausärzte gegen Fachärzte nicht mitspielen zu wollen, das leider bisher zu gut funktioniert, sieht man daran das politisch nichts erreicht werden kann.
Johannes Stößel
Wieso sollte man es sich nicht mit fachärztlichen Kollegen verscherzen, die einen ausnutzen? Was haben wir davon uns ausnutzen zu lassen? So unterstützen wir doch nur, dass sich nichts ändert.
Rico Becker
Ich habe eigentlich nichts zu erwidern!
Dr. Marks
Da muss ich Ihnen vollkommen Recht geben, bei uns in Würzburg ist es auch nicht viel anders. Das mit dem Krea für MRT lass ich ja noch durchgehen einfach weil auf dem Land längere Wege zum Facharzt zu bewältigen sind. Aber was für mich völlig unverständlich ist, wie plötzlich ein Facharzt, der früher drei Termine gebraucht hat. Erstens Anamnese, Erhebung und Diagnostikplanung, zweiter Termin Disgnostik , dritte Termin Besprechung und Terminplanung. Das waren doch früher die Abläufe, als ich vor 30 Jahren anfing. Jetzt aktuell ist es mit einem Termin getan und dann heißt es der Hausarzt bespricht alles mit Ihnen. Das finde ich ist eine Unverschämtheit und belastet extrem die Praxis. Eingeführt haben, dass eigentlich die Nuklearmediziner die schon vor 20 Jahren die Besprechung an den Hausarzt delegiert haben. Aktuell sind es aber Gastroenterologen Chirurgen, Kardiologen… Plötzlich gibt es überall nur noch einen Termin und um ehrlich zu sein, wenn ich Facharzt wär, würde ich das wahrscheinlich auch machen… Die gutgläubigen Hausärzte sollen es mal machen , die werden sich eh nicht dagegen wehren ....und ich hab 2 weitere Termine frei ♂️...
Leider sind unsere Standes Vertreter so unfähig, was den Umgang mit Kassen und Politik angeht, das da in Zukunft sicher nichts anderes zu erwarten sein wird.
Ich kann da nur jeder jungen Kolleginnen und Kollegen dringend davor abraten in die Kassen Medizin einzusteigen. Schlimmer wie der Kommunismus.
Klaus Völker
Gleiches Problem auch hier...
Häufiges Argument, sie hätten niemand , der Labor abnehmen könne (zumindest nicht bei gesetzlich versicherten Patienten)... Ich bitte die fachärztlichen Kollegen dann, eine Überweisung anden Labormediziner auszustellen. Das hiesige Labor nimmt täglich Blut ab und ist sehr kooperativ. Damit kommen die Patienten (und der fachärztliche Kollege direkt) zeitnahe an die Befunde und es wird das Laborbudget des Kollegen belastet. Überweisungen an den Allgemenínmediziner zur Blutentnahme nehme ich nicht mehr an, da auch das mein Laborbudget belastet.
Stefan Reschke
Bei uns das selbe Problem. Vor allem die Radiologen machen keine Befundbesprechugn mehr. Nun kommen noch die anderen FÄ dazu.
Auch die Wünsche nach Labor durch die FÄ ist ein Problem. Manchmal habe ich leider das Gefühl, dass wir von den Patienten angeschwindelt werden und es heißt, der und der Artzt habe gesagt wir sollen das und das machen.
Wir verlangen seit diesem Jahr von den Fachärzten ein Überweisung mit den gewünschen Werten. Dies wird den Patienten so deutlich mitgeteilt. Dann läuft es auf das Budget des Überweiser.
Befunde werden nicht mehr besprochen, und ohne Arztbrief wird auch nichts weiter gemacht . Gibt Ärger bei den Patienten aber die tragen den dann zum FA. Denn, oh Wunder, wenn wir das so argumentieren haben die meisten Patienten Verständnis dafür. Nebenbei fühlen sich die Patienten bei den FÄ auch nicht mehr wohl, da alles hopp. hopp geht. Da haben wir Hausärzte schon noch ein Stein im Brett.
Und was auch neu ist: Der FA hat gesagt ich bekomme schneller einen Termin wenn Sie dort anrufen und einen Termin ausmachen....
Carsten Wendt
Es ist scheinbar überall das Gleiche...
Unkommentiert Echobefunde etc. zu schicken, aber großer Aufstand wann man dann als Reaktion Zielauftrag auf dem Überweisungsschein ankreuzt.
Per Hand mit dem Kugelschreiber den BMP ändern, "der Hausarzt kann Ihnen einen neuen Medikamentenplan ausdrucken".
Das viele Fachärzte keine AU austellen, liegt bestimmt daran, daß die KK Anfragen zu aufwändig und nicht lukrativ genug sind.
Und keine Lösung in Sicht...
Rico Becker
Sehr interessant mit der Überweisung! Wie machen sie das administrativ, wie in Tomedo? Bei uns werden ja keine Überweisungen mehr an die KV geschickt, wie kommt das dann über uns ind Budget des FA?