Dr. Tanja Mann
Ich liebe die Möglichkeit in Tomedo, Emails mit Labordaten als pdf Datei an meine Pat zu versenden ... alle Pat mussten mir schon immer unterschreiben, dass ihnen bekannt ist, dass unverschlüsselte Emails Datensschutzlücken aufweisen. Das ist aber ab dem 25.5. so nicht mehr möglich...
Welche Möglichkeiten der Verschlüsselung gibt es in Tomedo?
Vielen Dank für Antworten!
Marcus Thierfelder
In tomedo gar nicht. Email hat per se keine Verschlüsselung.
So Sie die Emails mittels Mail versenden, können pgp Schlüssel nutzen. Wird aber sicher kein Patient machen, da das etwas kompliziert ist. Sie brauchen dann die öffentlichen Schlüssel jedes einzelnen Patienten. Sehr aufwändig, aber möglich. Man kann das auch in den Emailversand per tomedo einbauen ... aber wie gesagt, der Normalmensch "kann" das nicht.
Die KV-Safemail wäre hier eine Möglichkeit aber die kann nur zwischen Ärzten genutzt werden.
A. Hoffmann
Wie wäre es damit, die pdf mit einem Passwort zu versehen, welches z.B. als Fax-Nr. in den Details gespeichert wird (Fax hat fast kein Patient)? Mit Einwilligung sollte das auch nach dem 25.5. noch möglich sein, oder sehen das die Anwälte anders?
Marcus Thierfelder
Das hat dann halt nichts mit Sicherheit zu tun. Verschlüsselung sollte (meine Menung) nur asymmetrisch passieren. D.h. es gibt einen privaten und einen öffentlichen Schlüssen. Mit dem öffentlichen Schlüssel (vom Sender) verschlüsseln und mit dem privaten (NICHT öffenlichen, geheimen) Schlüssel entschlüsseln. Der Patient muss also ihnen sein öffenlichen Schlüssel zukommen lassen.
Ein Passwort auf das pdf ist Augenwischerei, da es ein symmetrischer Schlüssel ist. Sind wir ehrlich, dann nimmt da jeder 123456 oder so.
Final muss ich Ihnen recht geben: Was sagt der Anwalt, ab wann es Verschlüsselung ist? Reicht eine Caesarverschlüsselung https://de.wikipedia.org/wiki/Caesar-Verschl%C3%BCsselung, damit der Gesetzgeber das abnickt?
Johannes Müller
Wie wäre denn ein tomedo-Webserver?
Der Patient bekommt einen Login und kann dann online seine Laborwerte etc. abrufen. Da könnte man sogar mit dem SMS-Dienst eine Art SimTAN Verfahren realisieren.
Das wäre mal ne richtig tolle Innovation :)
Marcus Thierfelder
Die PIN ist sicher "innovativ", aber die Patientendaten (hier Laborbefund) müssen dann online verfügbar sein. Und das ist immer unsicher.
(Bisher war unsere Politik: keine Patientendaten gehen nach aussen.)
A. Hoffmann
Ja, bzgl. des Passworts haben Sie wohl Recht, aber sowas wie PGP setzt sich einfach nicht durch, habe ich jahrelang versucht, meinem Bekanntenkreis beizubringen, aussichtslos...
Bzgl. des Webserver-Vorschlag des Kollegen Müller bin ich hin- und hergerissen: einerseits sicherlich eine tolle Sache, wenn man dies z.B. auch mit dem online-Terminkalender kombiniert, perspektivisch mit Videosprechstunde eben eine echte Komplett-Lösung, andererseits sehe ich es sehr kritisch, hier quasi in Vorleistung zu gehen - wer bezahlt den Aufwand? Solange sich die Kassen zieren, innovative und vom Patienten gewünschte Serviceleistungen angemessen zu honorieren, sollte man die Finger davon lassen. Man schaue sich nur die Farce mit dem E-Arztbrief an...
JA Wessig
Ich benutze nur noch Protonmail und setzte für den Email-Kontakt am dem 25.5. einen Account des Patienten dort voraus. Der Service ist extrem benutzerfreundlich und es gibt einen kostenlosen Basis-Account. Bis Heute haben sich immerhin schon 3 Patienten dort registriet.
Schön wäre es, wenn Tomedo Anschluss an die Protonmail-Bridge findet, mit der man auch Desktop-Clients an Protonmail anbinden kann. Derzeit mache ich das per drag and drop aus Mail, was auch ok ist.
Johannes Müller
Naja - unsicher hin oder her. Auf Ihr Bankkonto greifen Sie ja auch online zu? - Irgendwann muss man halt sagen: OK online ist zwar immer bis zu einem gewissen Grad unsicher wenn die Russische Regierung es auf meine Labordaten abgesehen hat. Aber mit gängigen Sicherheitsverfahren sind die meisten Porbleme mittlerweile eigentlich recht gut eingedämmt.
Auch einen Webserver kann man mit ruby on rails auf ngnix ziemlich sauber aufsetzen...
Johannes Müller
Ein Tomedo-Lavabit-Serveraccount wäre da top:
Der Patient zahlt 5€ im Jahr (an tomedo) damit er online und sicher seine Befunde abrufen kann.
Tomedo lädt automatisch bei aktivierten Patienten Laborwerte etc. als pdf auf das Patientenkonto.
Das Ganze geschieht innerhalb einer Tomedo-Cloud.
Henrich Wenzel
Das mit dem Bekanntenkreis ging mir genauso - nur einer mit GPG. Aber jetzt mit der DSGVO im Rücken und bei medizinischen Daten, vielleicht gibt das ja den nötigen Drive !
Wir haben es innerhalb der Praxis noch nicht ausdiskutiert, aber das Fax möchte ich am liebsten in einem Rutsch auch ganz abschaffen. Die Endstrecke geht wie bei vielen anderen sowieso über E-Mail, bei der Gegenseite weiß man es nicht. Und die Performance ist bekanntlich mäßig.
Johannes Müller
Fax ist doch das Beste! Kein Ärger mit irgendwelchen Verschlüsselungs- und Datenschutzfragen :) - Ich hoffe das bleibt noch Jahre!
Johannes Zollmann
Wie Dr. Thierfelder schreibt gibt es in tomedo derzeit noch keine integrierte Lösung zum sicheren Datenaustausch mit den Patienten, wir arbeiten jedoch aktuell an einer solchen. Ich hoffe dass wir in einem der nächsten Quartalsnewsletter bzw. beim nächsten Anwendertreffen hier mehr zu berichten können.
BP
lieber herr wessig,
das mit protonmail finde ich auch eine gute sache und zumindest mit meiner überschaubaren anzahl von psychotherapiepatienten werde ich auch so kommunizieren. Was ich schwierig finde ist: wie gehe ich mit den eingehenden Emails um, die nicht von protonmail kommen- die kann ich ja nicht ignorieren... oder :-)?
für die bridge brauche ich einen bezahlaccount, richtig?
herzlichst
a. wahl
Henrich Wenzel
Leider verstehe ich die technischen Details zu wenig. Aber Skepsis, was die Sicherheit betrifft, scheint angezeigt: https://www.allgemeinarzt-online.de/atemwege/a/komfort-zulasten-der-sicherheit-1798986 - es sei denn, Sie hätten noch ein Papierfax und die alten analogen Leitungen.
BP
ein kommentar zum fax: in meiner fobi zur dsgvo wurde gesagt, dass fax GAR NICHT gehe, da nicht überprüfbar sei, wer am anderen ende das fax in empfang nehmen. in der fobi wurde aber auch gesagt, dass telefonieren über ip-anschlüsse nicht mehr tragbar sei und digitale anrufbeantworter (nennt man die so?) auch GAR NICHT gehen. Deshalb bin ich mir unsicher, wie ernst das gemeint ist, dass eigentlich NUR noch per Briefpost kommuniziert werden darf, denn in berlin gibt es ja kaum noch festnetzanschlüsse, die nicht ip sind....
Henrich Wenzel
Ich fürchte, das ist ernst gemeint. Wenn wir die Datensicherheit ernst nehmen, bleiben nur Papier und Ende-zu-Ende verschlüsselte Mails.
Protonmail klingt gut, scheint aber eine Insellösung zu sein, die nicht mit GPG kann. Da wäre eher vielleicht auf https://autocrypt.org/ zu hoffen, z.B. in Verbindung mit Posteo oder Mail.org und hoffentlich bald auch anderen Providern.
JA Wessig
Ja, richtig! Das hatte ich vergessen: die Bridge bibt es nur bei bezahlten Accounts.
Um das Problem mit den Emails von Nicht-Protonmal Absendern anzugehen, habe ich eine Auto-Reply eingestellt, in der steht, dass nur Mails von Protonmail bearbeitet werden können, da sie sonst nicht beantwortet werden können. Man könnte zwar schon verschlüsselt antworten (von einem bezahlten Account aus), das ist aber mit recht vielen Klicks verbunden. Für die Masse ist das unverhältnismäßig. Inhaltlich swird man auch nicht-PM-Mails anschauen und wenn es brennt auch darauf reagieren. Meistens sind es ja aber organisatorische oder elektive Inhalte, sodass der Patient keinen Schaden nimmt, wenn er keine Antwort erhält.
Ich stehe dabei auf dem Standpunkt, dass es einem Patientern zuzumuten ist, sich einen gratis-Account zuzulegen, wenn er den Komfort einer Standleitung in die Praxis genießen will.
Ich habe einen Visionary-Account gebucht, weil ich es richtig, richtig gut finde, was die Leute in CERN auf die Beine stellen und wie sie es tun. So habe ich außerden gleich einen VPN-Zugang mitgebucht, der sich seit kurzem automatisch nur mittels Passwort-Eingabe in eine App einrichten und reibungslos starten lässt. Die Geschwindigkeiten sind viel höher als mit Tunnelblick.
Last but not least: das Adressbuch ist nun auch verschlüsselt. Das gibt es meines Wissens nach nicht anderswo.
Viele Grüße, JAn Wessig
BP
für meine (AW) wenigen pt-patienten finde ich PM eine gute lösung, allerdings habe ich das mit dem desktop client noch nicht verstanden.... *oje!*
Schwierigkeiten macht mir die große praxis (BP). da kommt doch einiges rein, einfach so über die im impressum angegebene emailadresse. da schreiben patienten ganze Lebensgeschichten , schicken psyciatrische Befunde etc. nun kann ich ja aber schlecht die impressums- email mit einem autoreply versehen, trotzdem habe ich die verantwortung für die übersandten daten. das scheint mir gerade kniffelig.... hat da jemand eine Idee?
wenn ich mir das klientel der großen praxis anschaue, dann bin ich mir ganz sicher, dass das mit protonmail nichts wird- das ist für die meisten viel zu kompliziert- mit denen werden wir wieder auf briefe ausweichen. sehr schade.
herzlichst AW
BP
das mit dem vpn guck ich mir mal an...