Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich möchte hier etwas weitergeben, das über die letzten Monate nebenbei entstanden ist: eine Sammlung von Arbeitsanleitungen für KI-Assistenten, mit denen sich tomedo leichter konfigurieren und der eigene Datenbestand leichter auswerten lässt. Das Prinzip kennen Sie unter drei Namen — bei Claude Skills, bei Gemini Gems, bei ChatGPT Custom GPTs: hinterlegtes Wissen, das automatisch greift, wenn die Frage dazu passt.
Gebaut und getestet habe ich sie als Claude Skills. Das Format ist offen — eine Navigator-Datei und ein Ordner mit Nachschlagewerken, alles Markdown — und damit übertragbar. Wie das für Gems und Custom GPTs geht, steht weiter unten unter Für Gemini und ChatGPT.

Ohne hinterlegte Anleitung erfindet die KI Platzhalter und Menüpfade, die es nicht gibt — auffallen tut das erst beim Testen. Ausführlich in Teil 3, dort mit Ablaufdiagramm.
Wie es dazu kam
Angefangen hat es mit Statistiken. Ich wollte Auswertungen über den eigenen Bestand fahren und habe der KI so lange das Datenmodell erklärt, bis ich es leid war, es jedes Mal neu zu erklären. Also habe ich es einmal ordentlich aufgeschrieben.
Danach kam eins zum anderen: Briefkommandos, Aktionsketten, Textbausteine, Patientenformulare, Kartei-Chat-Prompts. Immer nach demselben Muster — Screenshots, Onlinehilfe, ausprobieren, testen, wieder ausprobieren, und das Ergebnis in eine Anleitung schreiben. Entstanden ist das jeweils dort, wo ich etwas häufiger als zweimal gebraucht habe.
Was drin steckt
Neun Anleitungen entlang der Aufgaben, die in einer Praxis wirklich anfallen:
Kartei-Chat-Prompts — Fragen bauen, die nicht abrutschen
Briefkommandos — rund 580 Kommandos und 14 Konfiguratoren als Nachschlagewerk; damit entstehen Brief- und E-Mail-Vorlagen, die sprachlich sitzen und die richtigen Platzhalter ziehen
Aktionsketten — Auslöser, Bedingungen, Fragen, und die Aktion „KI-Prompt".
Textbausteine — einheitliche, weiterverarbeitbare Dokumentation. Einheitliche, weiterverarbeitbare Dokumentation; aus Leitlinien, Fachartikeln oder Qualitätszirkel-Protokollen werden fertige Bausteine mit Frage-Antwort-Dialogen
Patientenformulare — Vorbereitung und Überarbeitung rund um den arzt-direkt-Generator
Statistik/HQL — das Datenmodell, validierte JOIN-Pfade, 46 dokumentierte Fehlerquellen. Die Frage in eigenen Worten genügt, heraus kommt eine lauffähige Abfrage
Metabase — Übersetzung der Abfragen ins Dashboard und zurück in die Kartei
Navigation — damit die externe KI die Menüs kennt
LLM-Service-Endpunkt — nur für die Praxis-IT, ausdrücklich als Zusatz

In Teil 3 steht zu jeder Anleitung eine Karte mit: wofür sie gedacht ist, wofür ausdrücklich nicht, bei welchen Stichworten sie greift, welche Begleitdateien sie mitbringt (mit Zeilenzahl und Inhalt) und eine Beispielfrage samt dem, was daraufhin passiert. Auf der Seite lässt sich der Katalog nach Aufgabe filtern — Briefe, Automatisierung, Formulare, Auswertung, Bedienung.

Ein Beispiel aus dem Katalog, hier karteichat-prompting: aus einer Alltagsfrage wird ein Prompt mit allen vier Pflichtbestandteilen. Dieselbe Darstellung gibt es für alle neun Anleitungen.
Die Anleitungen kennen die Funktionen, die Syntax und die bekannten Fallstricke. Sie können deshalb direkt bei der individuellen Konfiguration helfen, statt allgemeine Erklärungen zu liefern.
Warum überhaupt, wo es doch die Onlinehilfe gibt
Die Onlinehilfe beschreibt sehr ordentlich, was eine Funktion tut und wo sie liegt. Was mir im Alltag gefehlt hat, war die Ebene darunter: welche Formulierung trägt und welche kippt, woran man ein falsches Ergebnis erkennt, welche Sackgasse man sich sparen kann. Genau das steht in den Anleitungen. Sie sind als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz.
Das Handbuch dazu hat drei Teile. Teil 1 · Anwenden ist für alle, die die Werkzeuge benutzen: die sechs Funktionen mit Einsatzzweck und Grenzen, ein Entscheidungsdiagramm „welches Werkzeug für welche Aufgabe", sieben Regeln für die Einweisung im Team, eine Beispielsammlung mit 34 Formulierungspaaren („besser nicht" / „so") und eine Fehlertabelle nach Fehlerbild — leere Antwort, falsches Datum, bricht ab.
Aus Teil 2 · Verstehen: warum dieselbe Frage zweimal verschieden beantwortet wird. Jede Aussage in Teil 2 trägt Quelle und Datum — Herstellerangabe, Forumsbericht oder eigene Messung — und am Kapitelende steht der Belegapparat dazu. Ebenfalls darin: Zweckbestimmung, Datenschutz, Grenzen und Fehlerklassen, offene Fragen.
Meine Baustellen — vielleicht kennen Sie sie
Ich arbeite in einer Schmerzpraxis, also mit langen Akten: chronische Verläufe, viele Fremdbefunde, wiederholte Re-Assessments. Genau daran zeigt sich, wo es noch hakt.
Arztbrief. Dauerbaustelle. Aus einer mehrjährigen Akte einen brauchbaren Verlaufsbrief zu erzeugen, ist deutlich schwerer als es klingt — die Datenmenge ist das eine, die Auswahl das andere. Der neue LLM-Textgenerator im Format-Menü könnte hier einiges lösen; ich bin noch beim Testen.
Kartei-Chat. Beim Benchmarking kam nicht-deterministisches Verhalten heraus: identischer Prompt, unterschiedliche Antworten, teils mit stillem Weglassen ganzer Blöcke. Das ist kein Vorwurf, sondern die Natur der Sache — aber es wirft die Frage auf, wie belastbar man das einsetzen kann. Deshalb der Skill: Er sammelt, welche Prompt-Bausteine die Streuung tatsächlich senken.
Textbausteine. Damit sich Dokumentation später auswerten und weiterverarbeiten lässt, muss sie einheitlich und vollständig erfasst werden. Das ist weniger ein KI- als ein Struktur-Thema, aber es ist die Voraussetzung für alles Weitere.
Für Gemini und ChatGPT: Starthilfe, aber kein Support
Die Anleitungen laufen bei mir unter Claude, dort sind sie getestet, dort setze ich sie täglich ein. Mit Gems und Custom GPTs arbeite ich nicht — ich kann Ihnen deshalb weder fertige Konfigurationen geben noch Fragen dazu beantworten. Das möchte ich lieber vorher sagen als hinterher.
Was ich mitliefere, ist die Starthilfe: eine Übernahme-Anleitung mit den Rahmenbedingungen beider Plattformen (Gems nehmen bis zu zehn Wissensdateien, Custom GPTs begrenzen das Anweisungsfeld auf 8.000 Zeichen) und zwei fertigen Prompts — einer für den Umbau, einer für den laufenden Betrieb.
Das Vorgehen ist dasselbe, aus dem die Anleitungen entstanden sind: Sie geben das Material Ihrer eigenen KI, am besten dem stärksten Modell, das Ihr Zugang hergibt, und lassen es die Übersetzung machen. Erfahrungsgemäß dauert das pro Anleitung eine Viertelstunde. Der Betriebs-Prompt ist dabei der wichtigere Teil: Ohne ihn antwortet ein Gem oder GPT gern aus dem Allgemeinwissen weiter — und genau dort entstehen die Briefkommandos, die es nicht gibt.
Wenn Sie es gebaut haben und es läuft: Schreiben Sie es hier in den Thread. Dann haben alle etwas davon, und ich verlinke es gern.
Wo es liegt und wie Sie es einspielen
Alles liegt auf einer einfachen Downloadseite — kein Konto, keine Anmeldung, nichts zu installieren:
https://cupky.github.io/tomedo-skills/
Dort finden Sie die neun Anleitungen einzeln oder als Sammelarchiv, dazu das Handbuch als PDF und als Markdown. Lesen lässt es sich auch direkt auf der Seite.
Jede Anleitung trägt ihre Fassung im Feld version ihrer SKILL.md — derzeit 1.0. Neue Fassungen erscheinen unter derselben Adresse; der Link oben bleibt also gültig, auch in einem Jahr.
Alles Opensource unter CC BY 4.0: Sie dürfen es weitergeben, anpassen und auch kommerziell verwenden, solange Sie die Herkunft nennen. Das gilt ausdrücklich auch für zollsoft.
Einspielen in Claude — zwei Schritte, keine fünf Minuten
In den Einstellungen unter Capabilities den Schalter „Code execution and file creation" aktivieren.
Unter Customize > Skills auf „+" klicken und die ZIP-Datei auswählen — eine Datei je Anleitung, ohne Auspacken. Danach den Schalter umlegen; hochgeladen ist noch nicht eingeschaltet.
Laden Sie ruhig alle neun hoch. Claude liest zunächst nur die Kurzbeschreibungen und holt sich den vollen Inhalt erst, wenn eine Frage dazu passt — mehrere Anleitungen nebeneinander kosten also nichts.
Disclaimer
Kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Ich bin ein einzelner Poweranwender, kein KI-Team. Vieles habe ich mir ohne Zugang zum Quellcode erschlossen — aus Oberfläche, Handbuch, Forum und Versuchsreihen. Manches konnte ich nicht bis zu Ende prüfen; wo das so ist, steht es als offene Frage drin und nicht als Tatsache.
Getestet ist das Ganze auf einer Plattform — Claude — und mit einem Modellstand. Was eine Anleitung unter Gemini oder ChatGPT taugt, weiß ich schlicht nicht.
Die Angaben stammen aus einer Installation. Bei Ihnen kann etwas anders sein. Wenn Ihnen eine Abweichung auffällt, schreiben Sie es bitte — das ist die nützlichste Rückmeldung überhaupt. Ebenso: eine Sackgasse, die noch nicht dokumentiert ist, oder ein Anwendungsfall, für den bisher nichts existiert.
An zollsoft ausdrücklich: Übernehmen Sie, was Ihnen brauchbar erscheint — ganz, in Teilen, korrigiert. Am besten aufgehoben wäre das meiste davon im Herstellerhandbuch.
Und ein Dank
Dass so etwas überhaupt möglich ist, liegt an der Offenheit des Systems. Briefkommandos, Aktionsketten, Statistiken, Skript-Anbindung, ein erreichbarer Server — das ist eine Einladung an die Anwender, mitzugestalten, und ich habe sie gern angenommen. Danke an zollsoft für diese Offenheit und für die Innovationskraft, mit der tomedo Intelligence gebaut und ausgeliefert wurde. Man merkt der Umsetzung an, dass da jemand dasselbe Problem gesehen hat wie wir in der Praxis.
Über Rückmeldungen, Korrekturen und eigene Anleitungen freue ich mich.
Maximale Erfolge beim Bauen, Konfigurieren und Fine-Tunen Ihrer tomedo-Praxen von Richard Kupke