Hanno Behrens
Liebe tomedo®-Community,
durch eine neue technische Integration mit tomedo® ist es nun möglich, Medikamendo nahtlos in Ihren Praxisalltag einzubinden – speziell zur Unterstützung bei der Versorgung und Bindung von Dauermedikationspatient:innen.
Was ermöglicht die neue Integration?
Dank der direkten Anbindung an tomedo® können wiederkehrende Prozesse rund ums E-Rezept automatisiert und patientenfreundlich gestaltet werden – ohne zusätzliche manuelle Schritte für Ihr Team.
Ihre Vorteile im Überblick:
- Automatisierte Info-SMS bei neuen E-Rezepten
Patient:innen werden automatisch benachrichtigt, sobald ein E-Rezept erstellt wird – mit Link zur Verfügbarkeit und Bestelloption bei der Apotheke vor Ort. - Bessere Versorgung mit weniger Unterbrechungen
Weniger Rückfragen am Telefon, keine unnötigen Wege für Patienten – und eine effizientere Organisation wiederkehrender Verschreibungen. - Digitale Patienteneinwilligung & rechtssichere Vergütung
Ihre Praxis erhält bei aktivierter Info-SMS rechtssicher eine Vergütung pro relevanter Patienteninteraktion – unabhängig davon, ob tatsächlich ein Rezept ausgestellt wird. Die Aktivierung erfolgt z.B. über tomedo®-Kiosk 2.0, QR-Code auf Wartezimmerpostern und Checkkarten, links auf Emails/SMS und innerhalb des Online-Terminprozesses. - Gezielt für Dauermedikations-Patient:innen entwickelt
Medikamendo begleitet Patienten über die Praxis hinaus – über Medikamendo kann die Apotheke vor Ort für volle Medikationstransparenz, automatische Rezeptanfragen ggf. mit Ersatzbescheinigungen ohne Kartenlesen und auf Wunsch verblisterte Dauermedikation sorgen.
Die neue tomedo®-Integration macht all das jetzt erstmals vollautomatisiert ohne zusätzliche Kosten für Sie möglich. Im Gegenteil: Medikamendos Affiliate-Modell neutralisiert rechtssicher ihre monatlichen tomedo®-Kosten.
Schreiben Sie/besuchen Sie > https://medikamendo.de/tomedo_foerderung
Cenk Sayir
Ich befürworte digitale Unterstützung, wo sie echte Versorgungsverbesserung bringt. Gerade bei Wiederholungsrezepten und älteren Patient:innen kann viel vereinfacht werden – wenn es sauber gemacht ist.
Das hier vorgestellte Modell wirft jedoch berufsrechtliche Fragen auf: Die Verbindung von E-Rezept-Auslösung, patientenseitiger Interaktion und anschließender Vergütung für die Praxis wirkt wie ein systematischer Verstoß gegen § 31 der (Muster-)Berufsordnung für Ärztinnen und Ärzte. Dort heißt es:
„Ärztinnen und Ärzten ist es nicht gestattet, für die Zuweisung von Patientinnen und Patienten oder Untersuchungsmaterial oder für die Verordnung oder den Bezug von Arznei- oder Hilfsmitteln oder Medizinprodukten ein Entgelt oder andere Vorteile zu fordern, sich oder Dritten versprechen oder gewähren zu lassen oder selbst zu versprechen oder zu gewähren.“
Ein Modell, bei dem die Praxis automatisch finanziell profitiert, wenn der Patient einem Vorschlag folgt, bewegt sich genau in diesem Bereich. Auch wenn technische Automatisierung für sich sinnvoll sein kann: Die Verbindung mit wirtschaftlichen Anreizen im Rahmen von Rezeptprozessen bleibt problematisch – nicht nur juristisch, sondern auch ethisch.
Zudem sollte das tomedo-Forum kein Werbekanal für externe Anbieter sein. Herr Behrens ist als Geschäftsführer von Medikamendo (sic!) seit April 2024 mit diesem einen Beitrag Mitglied – das wirkt weniger wie ein kollegialer Beitrag zur Diskussion als vielmehr wie eine reine Vertriebsoffensive. Dieses Forum lebt aber vom Austausch der Tomedo-Nutzerinnen und -Nutzer mit- und untereinander und im Dialog mit dem Tomedo-Team – nicht vom Eindringen wirtschaftlicher Interessen durch die Hintertür. Man könnte heraushören, dass ich vom Forums-Team / tomedo Team enttäuscht bin.
Mich interessiert, wie andere das einschätzen – gerade mit Blick auf ärztliche Unabhängigkeit und das Vertrauen der Patientinnen und Patienten.
Einen schönen Start ins Wochenende wünscht
Cenk Sayir
Jens Prütting
Lieber Herr Sayir,
ich bin der rechtliche Berater von Medikamendo und habe mir deren System vor Inbetriebnahme genau zeigen lassen. Ich bedanke mich für Ihre kritischen Anmerkungen und möchte gern näher darauf eingehen, damit deutlich wird, dass es eine eingehende Vorbefassung juristischer Natur gegeben hat, die zu dem Ergebnis kam, dass keine Form verbotener Zuweisung nach § 31 der Berufsordnung vorliegt. Das wäre im Übrigen auch selbstverständlich unter keinen Umständen gewollt. Sollten Sie nach meinen Ausführungen weiterhin Zweifel haben, ob das Angebot von tomedo und Medikamendo gegen geltendes Recht verstößt, bitte ich Sie herzlich, mir diese mitzuteilen. Wir werden jeglichen Hinweis sehr ernst nehmen und stets nur agieren, wenn dadurch kein Recht gebrochen wird.
Zur Sache:
Sie haben § 31 der Berufsorndung korrekt zitiert. Ein Verstoß liegt hier aber eindeutig nicht vor, wie ich Ihnen gerne darlegen möchte.
Ein finanzieller Anreiz für den Arzt ist nur dann nach dem geltenden Zuweisungsrecht problematisch, wenn er als Vorteil hingegeben wird, damit der Arzt eine Verordnung ausstellt oder diese an eine bestimmte Apotheke leitet oder anderweitig eine sachwidrige, nicht rein am Patientenwohl ausgerichtete Entscheidung trifft. Das ist im vorliegenden System ausgeschlossen. Der finanzielle Anreiz von Medikamendo bezieht sich allein auf die Eröffnung eines möglichen Rezeptvorgangs. Es ist unerheblich, ob es überhaupt zur Verordnung eines Medikaments kommt oder an welche Apotheke diese später auf Patientenwunsch geleitet wird. Der finanzielle Anreiz basiert nur auf der Mitwirkung am Medikamendosystem selbst. Medikamendo achtet im System peinlich genau darauf, dass allein der Patient die Hoheit hat. Nur der jeweilige Patient entscheidet, an welche Apotheke ein E-Rezept versandt wird, sofern eines vom Arzt ausgestellt worden ist. Es gibt nicht einen Moment im gesamten Ablauf, in dessen Rahmen der Arzt irgendeinen auch nur entfernt erkennbaren Vorteil hätte, seine medizinische Entscheidung an etwas anderem als dem konkreten Patientenwohl zu orientieren. Der Arzt erhält keinerlei Vorteil für die Ausstellung einer Verordnung, für deren Unterlassen oder für einen bestimmten Weg, den ein Rezept nimmt. Der Arzt erhält ausschließlich von Medikamendo als Digitaldienstleister einen Anreiz, die technischen Erleichterungen des Medikamendosystems zu nutzen, um den Transferkomfort für den Patienten zu erhöhen.
Dieses System fördert korruptives Verhalten nicht, greift niemals in ärztliche Entscheidungen ein - auch nicht durch Incentives - und lässt die Apothekenwahlfreiheit des Patienten vollständig unberührt.
Sie schreiben: "Ein Modell, bei dem die Praxis automatisch finanziell profitiert, wenn der Patient einem Vorschlag folgt, bewegt sich genau in diesem Bereich." Der entscheidende Irrtum liegt darin, dass die Praxis nicht finanziell profitiert, weil der Patient einem ärztlichen Vorschlag folgen würde. Sie profitiert bereits, weil der Patient und die Praxis am digitalen System teilnehmen, steht jedoch danach in keinem Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung selbst. Der "Vorgang", der die Vergütung für die Praxis auslöst, besteht bereits im bloßen Arztbesuch selbst, in dessen Rahmen Arzt und Patient lediglich gewillt sind, das Medikamendosystem zu nutzen (Einwilligung am Kiosk, Online-Bestellung). Ob es zu einer oder vieler Rezeptausstellung(en) kommt, ist irrelevant. Es gibt weder ein rechtliches noch ein ethisches Problem dabei.
Ich hoffe, ich konnte die bestehenden Zweifel zerstreuen. Bitte stellen Sie gern jegliche Rückfrage. Da Medikamendo kein Interesse daran hat, auf rechtlich fragwürdiger Basis am Wettbewerb teilzunehmen, möchten wir durch maximale Transparenz gern jeglichen Zweifel erörtern und bestenfalls zerstreuen. Sollten wir an irgendeiner Stelle einen Fehler machen, korrigieren wir diesen so schnell es möglich ist. Auch mit Blick hierauf sind wir für Kritik aller Art sehr dankbar!
Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. Jens Prütting, LL.M.oec.
Rechtsanwalt
Andreas Zollmann
Hallo zusammen,
eigentlich haben wir für das Forum die Regel, dass Partner keine Werbebeiträge schreiben dürfen (nur themenbezogene Antworten und Kommentare in Nutzer-initiierten Beiträgen sind erlaubt). Da hieraus jedoch jetzt eine m.M.n. sehr interessante Diskussion entstanden ist, die Mehrwert für alle unsere Nutzer bietet, die mehr zu Medikamendo wissen wollen, werde ich hier jetzt eine Ausnahme machen und das Posting nicht löschen. Spannend fände ich hier auch die Erfahrungen von Medikamendo-Nutzern und ggf. -Ex-Nutzern.
A. Hoffmann
Kritische Kommentare werden also hier konsequent der cancel-Culture unterworfen und gelöscht - welch zivilisatorischer Fortschritt! Woke Diskriminierung darf gepostet werden, Kritik daran nicht? Feine Moderatorenarbeit!
Andreas Tenzer
Lieber Herr Hoffmann,
ich nehme hier im Forum keine Cancel-Culture wahr.
Kritische Kommentare sind aus meiner Sicht sehr erwünscht, aber:
- sie sollten respektvoll formuliert sein
- sie sollten mit dem eigentlichen Thema zu tun haben
Ihr gelöschter Kommentar konnte für mich beide Punkte nicht erfüllen.
Wenn für Sie das Gender-Thema so emotional belastend ist, machen Sie gerne einen neuen Thread auf. Dort können Sie sich austoben.
Aber jetzt: zurück zum Sachverhalt 😉
A. Hoffmann
Wenn hier Werbung gemacht wird, dann sollte diese alle Kunden ansprechen, und nicht einen Teil der Kundschaft ausschließen. Das Gleichbehandlungsgesetz gilt auch für christliche, weiße, alte Männer - das "Gender-Thema" diskriminiert und schließt aus, es schreit: wir wollen nur woke Kunden! Unvorbereitet in diese Doppelpunkte zu rennen löst bei mir extremes körperliches und psychisches Unwohlsein aus. Wenn meine Kritik daran Spam ist, dann ist diese Werbung auch Spam - mindestens!
Jan-Ove Sanders
Jetzt mal losgelöst von irgendwelchen finanziellen Anreizen. Ich würde gerne verstehen wie genau (Schritt für Schritt - am liebsten mit Screenshots) der Ablauf der Rezeptbestellung jetzt ist.
Ich habe Medikamendo damals getestet und mich dagegen entschieden. Warum?
- die Bedienung habe ich als umständlich empfunden. Meine MFA mussten zwischen Tomedo und Browsermaske hin und her wechseln. Es gab sehr viele Arbeitsschritte, viel geklicke. Die Bearbeitung einer Rezeptbestellung hat trotz "Tomedo button" schlicht zu lange gedauert und die Schnittstelle hat nicht immer sauber funktioniert.--> Frust.
- Zu komplizierter Prozess der Medikamentenbestellung. Ich habe einen recht jungen, technisch versierten Patienten in der Sprechstunde Ibu 600 bestellen lassen. Es wurden die gesamte Datenbank aller Marken, Wirkstärken und Packungsgrößen in einer ewig langen Liste dargestellt. Er war verunsichert und hat dann irgendwas ausgewählt. Die mögliche Zielgruppe habe ich als recht klein eingeschätzt. Die wenigsten verstehen die Suche nach PZN.
- Notwendigkeit einen Account zu erstellen. Das kann man, wenn der Bestellablauf optimiert wird/wurde ggf. noch verkaufen.
- Ich habe das Geschäftsmodell nicht so ganz verstanden. Es gab/gibt ja recht großzügige Nachlässe auf die Grundgebühr bei Toemdo. Jetzt hat keiner etwas zu verschenken. Ich möchte ehrlich gesagt auch nicht Gefahr laufen, irgendwann angerufen zu werden, um darauf hingewiesen zu werden, dass ich zu wenig Rezepte über Medikamendo ausstelle.
Was würde aus meiner Sicht eine Erleichterung bringen?
- Eine vollständige Integration in die Tomedo Maske. Auf gar keinen Fall irgendein zusätzliches Browserfenster. Alternativ Schnittstellenintegration in eine Online Rezeption (Docmedico/321med etc.)
- Eine Übertragung des aktuellen Medikationsplans in Medikamedo (Datenschutz?). Und hier dann ausschließlich die Möglichkeit die Medikamente auf dem Plan zu bestellen. Ist das im Alltag abbildbar?
- keine fixe Apothekenwahl aus einer Liste. Button "freie Apothekenwahl" o.ä. (Widerspricht aber wahrscheinlich dem Geschäftsmodell).
- Größete Entlastung: eine direkte Übertragung in die Signierliste der Ärzte (wahrscheinlich nicht KV konform)
Wir nutzen in der Praxis aktuell Docmedico und es funktioniert gut für die Medikamentenbestellung. Zeitfresser ist und bleiben aber manuellen Schritte, die die MFA trotzdem machen muss. Wenn Medikamendo hier eine weitere (sinnvolle und stabile) Automatisierung abbilden kann, fände ich das schon spannend.
Oliver Hanemann
Sehr geehrter Herr Prof. Pütting,
vielen Dank für Ihre Ausführungen.
Trotzdem stimme ich diesen nicht zu.
Die Prämisse der Berufsordnung zielt darauf ab, eine möglichst saubere ethisch-moralische ärztliche Tätigkeit und Patientenversorgung zu ermöglichen und unlauteren Wettbewerb zu verhindern.
Die Textschreibung der BO kannte zum damaligen Zeitpunkt die sich inzwischen vielfältig neu eröffneten Wege von "Dienstleistungen" in diesem Umfang noch nicht und hinkt beträchtlich hinterher, die täglich aus dem Boden sprießenden Dienstleistungsangebote juristisch korrekt einzuordnen.
Vor diesem Hintergrund sind Ihre Ausführungen momentan tatsächlich plausibel und erscheinen juristisch korrekt. Solange, bis der Gesetzgeber nachgearbeitet haben wird. Und dann?
Medikamendo muss ja irgendwie auch verdienen. Wie tun sie das? Und trotz "Beteiligung" von uns Ärztinnen und Ärzten muss ja noch genug Profit übrig sein.
Ich erinnere mich noch an die Anfangszeit der e-Rezepte. Damals bot Arzt-Direkt von Zollsoft noch den Rp-Code an und trat mit Apotheken in Kontakt. Die Apotheken mussten ziemlich heftige Jahresbeiträge dafür zahlen, dass Patienten dann "zu Ihnen" kommen sollten, um den Rp-Code einzulösen.
Mir geht es in dem Beispiel nicht um den Workflow - der Vergleich hinkt sicherlich - mir geht es darum, dass wieder zwischendrin in diesem Prozess Gelder an Medikamendo gezahlt werden und uns ein Obulus angeboten wird.
Und tatsächlich entsteht hier in Anlehnung an §31 der BO ein Vorteil der nutzenden ÄrztINNen gegenüber den nicht-nutzenden ÄrztINNen und damit eine Verzerrung im Sinne des Wettbewerbs. Damit sehe ich den Verstoß gegen §31 weiterhin als gegeben an.
mit freundlichen Grüßen,
Oliver Hanemann
Jens Prütting
Sehr geehrter Herr Hanemann,
Ihrer Sichtweise muss ich im Hinblick auf folgende Aspekte entgegentreten, da ich diese juristisch nicht für tragfähig halte und auch den ethischen Einwand nicht sehe:
1. § 31 BO schützt gegen unlautere Geschäftspraktiken in Form von Zuweisungen. Ich sehe bislang nicht, an welcher Stelle es durch das System von Medikamendo zu einer Zuweisung kommt. Wenn ich etwas übersehe, zeigen es mir bitte gerne auf, aber Ihr Hinweis, dass ein Verstoß gegen § 31 BO sich allein daraus ergebe, dass nutzende Ärzte Vorteile haben, ist rechtlich nicht haltbar. Es gibt zu § 31 BO auch hinreichend Rechtsprechung, die dies klar herausstellt, denn es braucht - ganz der Norm gemäß - eine Zuweisung und darüber hinaus auch eine Unrechtsvereinbarung, wie man sie heute in § 299a, b StGB verlangt.
2. Die Berufsordnung ist keinesfalls dazu gedacht - und darf auch niemals dazu verkommen - fairen Leistungswettbewerb auszuschalten. Dass Ärzte im Wettbewerb miteinander stehen, ist gewollt und wird gerade vom Recht geschützt (Ausschalten von Wettbewerb könnte nicht einmal der deutsche Gesetzgeber beliebig veranlassen, da dies gegen europäisches Kartellrecht verstieße (Art. 101 AEUV)). Die Berufsordnung ist in den §§ 30 ff. nur dazu gemacht, unlauteren Wettbewerb zu verhindern. Es ist aber nicht unlauter, effizient zu arbeiten und sich hierfür auch der Hilfe Dritter zu bedienen, etwa durch die Einschaltung von Digitaldienstleistern.
3. Mit dem zweiten Punkt geht sodann einehr: Sie gehen davon aus, die Berufsordnung müsse nur nachgearbeitet werden und schon sei wieder alles verboten. Das ist rechtlich ein Irrtum. Die Berufsordnung hat sich in den Grenzen des höherrangigen Rechts zu halten. Sie ist als Satzung der Kammern auf unterster rechtlicher Stufe und darf daher weder gegen formelles deutsches noch europäisches Kartellrecht verstoßen und erst recht nicht Art. 12 GG verletzen. Eine Verschärfung einer Berufsordnung, die Leistungswettbewerb ohne klaren Bezug zur Unlauterkeit einschränken oder ausschließen würde - und nichts anderes würde bei dem von Ihnen angedachten Nacharbeiten geschehen, wenn Sie davon ausgehen, dass danach das Medikamendosystem verboten wäre, da dieses gerade keinen unlauteren Wettbewerb begründet - wäre spätestens mit Blick auf die verfassungsrechtlich geschützte Berufsfreiheit unrettbar verfassungswidrig, richtete sich aber darüber hinaus auch gegen die Grundidee des Kartell- und Wettbewerbsrechts.
4. Es scheint mir auch mit Blick auf die vorgebrachten ethischen Bedenken wichtig, noch einmal eines zu betonen: Rechtlich wie ethisch ist jedes System bedenklich, dass beim Arzt Anreize setzt, irgendwo im Rahmen von Anamnese, Diagnostik, Aufklärung/Erörterung, Therapie oder Nachsorge - also irgendwo im gesamten Behandlungsprocedere sich von anderen Zielen und Motiven leiten zu lassen als dem bestverstandenen Patientenwillen und -interesse. Ich denke, darin stimmen wir völlig überein. Mithin ist jegliches System eines Digitaldienstleisters zu unterbinden, das dort zulaste der bestverstandenen Patieninteressen eingreift. Bei Medikamendo ist dies nach meiner Analyse nicht der Fall und ich sehe bislang kein Argument, woraus sich ergäbe, dass ich mich irre. Sollten Sie eines aufzeigen können, werde ich mich eingehend damit befassen, das versichere ich gern. Solange derartige Negativwirkungen aber ausgeschlossen sind, ist es gerade nicht am (Berufs-)recht, die Berufsfreiheit des Art. 12 GG einzuschränken; im Gegenteil, es wäre schlicht verfassungswidrig. Und unethisch ist es auch nicht, wenn Ärzte nach Mitteln und Wegen schauen - ob selbst oder unter Zuhilfenahme von Dritten - wie sie effizienter arbeiten können.
Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. Jens Prütting, LL.M.oec.
Rechtsanwalt
Oliver Hanemann
Sehr geehrter Herr Prof. Prütting,
vielen Dank für diese ausführliche Kontextualisierung und Einordnung. Naturgemäß habe ich erstmal keine Gegenargumente, da ich natürlich nicht so sehr in der Materie stecke. Aber es hat meinen Horizont erstmal sehr erweitert.
mit freundlichen Grüßen,
Oliver Hanemann
Jens Prütting
Sehr geehrter Herr Hanemann,
und ich möchte mich in aller Form für den guten Austausch und Ihre Gedanken bedanken!
Zugleich möchte ich in jeder Form aufrichtig versichern, dass ich jederzeit für kritische Einwände offen bin, wenn Ihnen doch etwas auffallen sollte, wo Sie Bedenken haben. Es geht mir darum, vollkommen transparent und zu jedem Zeitpunkt rechtlich sauber die Dinge zu handhaben und ich werde unverzüglich einen Step back machen, sollte ich mich irren. Medikamendo kam zu mir als Berater mit der zu jedem Zeitpunkt offen formulierten Bitte, jegliche mir vorgelegte Idee rechtlich kritisch abzulehnen, sollte diese unsauber sein. Nur deshalb trete ich auch nach außen dafür ein, weil ich zu dem Ergebnis gekommen bin, dass hier sorgfältig und rechtskonform gearbeitet wird. Und ich weiß, dass die Geschäftsführung bei Medikamendo genau das und zugleich selbstredend am Markt reüssieren möchte.
Ich hoffe stets darauf, dass Gesundheitsdienstleister aller Arten und Hilfsdienstleister (insbesondere Digitaldienstleister) mit Kreativität und Schaffenskraft gemeinsam einen guten Weg finden, die Versorgung in Deutschland immer noch ein Stück voranzubringen., so dass alle davon profitieren (Gesundheitssystem, Leistungserbringer, Hilfspersonen und Patienten). Da ich auch viele Ärzte und Krankenhäuser rechtlich betreue, ist mir in diesem System der Blickwinkel von allen gewärtig und ich möchte gezielt alle berücksichtigen.
Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. Jens Prütting, LL.M.oec.
Rechtsanwalt
Hanno Behrens
Hallo Dr. Sanders,
vielen herzlichen Dank für Ihren konstruktiven Beitrag, den ich gerne in BLAU kommentieren möchte.
Besten Gruß,
Hanno Behrens
Jetzt mal losgelöst von irgendwelchen finanziellen Anreizen. Ich würde gerne verstehen wie genau (Schritt für Schritt - am liebsten mit Screenshots) der Ablauf der Rezeptbestellung jetzt ist.
Unsere Mission ist die Automatisierung des Rezeptprozesses für Arztpraxen (Medikameno Flywheel) als elementarer Baustein für eine einfache Versorgung von Dauermedikationspatienten.
Ich habe Medikamendo damals getestet und mich dagegen entschieden. Warum?
- die Bedienung habe ich als umständlich empfunden. Meine MFA mussten zwischen Tomedo und Browsermaske hin und her wechseln. Es gab sehr viele Arbeitsschritte, viel geklicke. Die Bearbeitung einer Rezeptbestellung hat trotz "Tomedo button" schlicht zu lange gedauert und die Schnittstelle hat nicht immer sauber funktioniert.--> Frust.
Erst mit der tomedo version v1.155 vom 3. Juni 2025 wurde das Medikamendo Flywheel technisch möglich, wodurch die Praxen erhebliche Zeit sparen. - Zu komplizierter Prozess der Medikamentenbestellung. Ich habe einen recht jungen, technisch versierten Patienten in der Sprechstunde Ibu 600 bestellen lassen. Es wurden die gesamte Datenbank aller Marken, Wirkstärken und Packungsgrößen in einer ewig langen Liste dargestellt. Er war verunsichert und hat dann irgendwas ausgewählt. Die mögliche Zielgruppe habe ich als recht klein eingeschätzt. Die wenigsten verstehen die Suche nach PZN. Durch sich ergänzende Eingaben von Medikament, Hersteller, Packungsgröße und Dosierung wird die Ergebnisliste sehr schnell sehr viel kürzer.
- Notwendigkeit einen Account zu erstellen. Das kann man, wenn der Bestellablauf optimiert wird/wurde ggf. noch verkaufen. Aus Datenschutzgründen bevorzugen wir bei Medikamendo Patienten-Accounts.
- Ich habe das Geschäftsmodell nicht so ganz verstanden. Es gab/gibt ja recht großzügige Nachlässe auf die Grundgebühr bei Toemdo. Jetzt hat keiner etwas zu verschenken. Ich möchte ehrlich gesagt auch nicht Gefahr laufen, irgendwann angerufen zu werden, um darauf hingewiesen zu werden, dass ich zu wenig Rezepte über Medikamendo ausstelle. Unsere Affiliate-Gebühren sind nun variabel. Pro Einwilligung zur E-Rezept-Info-SMS erhalten Sie eine rechtssichere Affiliate-Gebühr – unabhängig davon, ob ein Rezept ausgestellt wird.
Was würde aus meiner Sicht eine Erleichterung bringen?
- Eine vollständige Integration in die Tomedo Maske. Auf gar keinen Fall irgendein zusätzliches Browserfenster. Alternativ Schnittstellenintegration in eine Online Rezeption (Docmedico/321med etc.) Die Automatisierung des Rezeptprozesse erfordert idealerweise als einzigen manuellen Schritt die digitale Arztsignatur. Dies ist unsere Mission und und die tomedo version v1.155 war ein wichtiger Schritt, der in Verbindung mit Medikamendo erhebliche Zeitersparnisse im Rezeptprozess erlaubt.
- Eine Übertragung des aktuellen Medikationsplans in Medikamedo (Datenschutz?). Und hier dann ausschließlich die Möglichkeit die Medikamente auf dem Plan zu bestellen. Ist das im Alltag abbildbar? Ist Teil unserer Mission.
- keine fixe Apothekenwahl aus einer Liste. Button "freie Apothekenwahl" o.ä. (Widerspricht aber wahrscheinlich dem Geschäftsmodell). Über 17.000 Apotheken können derzeit in Medikamendo ausgewählt werden. Prime-Funktionen - wie die online-Transparenz über die Verfügbarkeit der verschriebenen Medikamente - sind nur bei Partner-Apotheken von Medikamendo möglich.
- Größete Entlastung: eine direkte Übertragung in die Signierliste der Ärzte (wahrscheinlich nicht KV konform) Ist Teil unserer Mission.
Wir nutzen in der Praxis aktuell Docmedico und es funktioniert gut für die Medikamentenbestellung. Zeitfresser ist und bleiben aber manuellen Schritte, die die MFA trotzdem machen muss. Wenn Medikamendo hier eine weitere (sinnvolle und stabile) Automatisierung abbilden kann, fände ich das schon spannend. Wenn Sie auf der tomedo®-Version v.1.155 arbeiten und diese Version für Medikamendo eingerichtet wird, steht einem Test durch Sie nichts im Wege.

Christian Bauck
Bedeutet "ist Teil unserer Mission", dass es die Funktionen aktuell nicht gibt? Sie können gerne Klartext mit uns sprechen, weil sehr viel schlauer bin ich jetzt nicht.
Vielen Dank
Hanno Behrens
Sehr geehrter Dr. Bauck,
korrekt - die genannte Funktionalität wird verfolgt und ist noch nicht verfügbar.
Besten Gruß,
Hanno Behrens
Jan Erich
Ich kann die Meinung, dass aus diesem Werbeblog eine interessante Diskussion geworden ist, nicht nachvollziehen. Hier darf eine Firma, die wahrscheinlich Apotheken als Zwischenhändler ( ja, ist jetzt bestimmt auch nicht juristisch korrekt ) Geld aus der Tasche ziehen will, (wie mit dem Modell sonst Geld verfärbt werden soll, wird ja nicht berichtet) dabei jede Apotheke ausgrenzt die diesen finanziellen Aufwand scheut (wahrscheinlich eher die kleine Einzeloffizin, die eh schon kämpft) und damit einmal mehr den Weg für immer mehr furchtbare Internetapotheken ebnet. Alls kleiner Hausarzt, der das ganze im ärztlichen Bereich erlebt - immer mehr riesige MVZ generieren immer größere Gewinne und bieten immer schlechtere Qualität) kann ich so etwas nur ablehnen.
So viel Rückgrat habe ich dann doch noch, so etwas nicht zu unterstützen und meine tomedo Kosten selber zu tragen. Was das hier im Forum zu suchen hat, ist mir völlig schleierhaft
Rico Becker
Sorry, aber das geht mir auch zu weit, ich kann das juristisch nicht bewerten, aber hier wird ungefragt mit meinem "Namen" gearbeitet, und ich möchte auch nicht kontaktiert werden! Ich denke es sind alle Kollegen so verlinkt worden.

Hanno Behrens
Sehr geehrter Dr. Becker,
Medikamendo sorgt in Kooperation mit der jeweiligen Wahl-Apotheke der Patienten für eine dauerhaft einfache Versorgung mit (optional verblisterter) Dauermedikation auf der Basis Bundeseinheitlicher Medikationspläne (BMP).
Ziel ist eine bessere Medikations-Compliance der Patienten.
Die regelmäßigen Verschreibungen müssen dann für eine funktionierende Verblisterung koordiniert bei den unterschiedlichen BMP-Ärzten im Auftrag der Patienten angefordert werden.
Haben die Ärzte zugestimmt, können sie über Medikamendo.de auch einzelne Folgerezeptbestellungen ihrer Patienten erhalten.
Liegt keine Zustimmung vor, kann diese vom Patienten erbeten werden. Ihr Screenshot dokumentiert diesen Schritt. Die Praxis erhält dann von uns eine Anfrage zur Freischaltung. Sie kann sich freischalten oder komplett löschen lassen. Dieses Vorgehen wurde mit der Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit als für uns zuständige Datenschutzbehörde abgestimmt.
Besten Gruß,
Hanno Behrens
Hanno Behrens
Sehr geehrter Herr Erich,
Medikamendo stärkt über Mehrwertangebote (Medikationsabos auf Basis vollständiger Medikationspläne und optionale Verblisterung) gezielt die Wettbewerbsfähigkeit der Vor-Ort-Apotheken gegenüber ausländischen Versandapotheken.
I.d.R. kann jede Vor-Ort-Apotheke mit den bestehenden Fixkosten signifikant mehr Volumen bearbeiten. Der Rohertrag jedes Neugeschäftes fließt ohne zusätzliche Kosten in den Gewinn. Mit dem E-Rezept verlieren Vor-Ort-Apotheken allerdings gegenwärtig Volumen an ausländische Versandapotheken.
Mit unseren Mehrwertangeboten - und der Möglichkeit diese innerhalb der Patientenreise hoch wirksam bewerben zu können - gewinnen Vor-Ort-Apotheken auch nach Abzug der Werbekosten hoch profitables, dauerhaftes Neugeschäft, welches beiträgt, ihre Existenz zu sichern.
Um dies zu ermöglichen, hat Medikamendo bisher in erheblichen Umfang investiert.
Jede Vor-Ort-Apotheke mit einer Versandapothekenlizenz hat über Medikamendo die Möglichkeit, ihr Angebot auch bundesweit auszuspielen und so weiteres Geschäft zu gewinnen.
Besten Gruß
Hanno Behrens
Jan Erich
I.d.R. kann jede Vor-Ort-Apotheke mit den bestehenden Fixkosten signifikant mehr Volumen bearbeiten. Der Rohertrag jedes Neugeschäftes fließt ohne zusätzliche Kosten in den Gewinn.
...gewinnen Vor-Ort-Apotheken auch nach Abzug der Werbekosten hoch profitables, dauerhaftes Neugeschäft, welches beiträgt, ihre Existenz zu sichern.
Hört sich ja prima an, ist aber zunächst eine Behauptung ohne große Substanz. Ich kann nur die Situation bei uns vor Ort beurteilen: hier haben wir 3 Apotheken, die von den Patienten sehr treu frequentiert werden. Dort wird gut beraten, es gibt einen kurzen Draht von und zu uns. Wenn ich auf einen Hausbesuch feststelle, dass ein Medikament, zum Beispiel ein Antibiotikum, dringend benötigt wird, lasse ich ein handgeschriebenes Rezept da und rufe eine Apotheke an, die das Medikament in wenigen Stunden liefert. Das klappt. Die Apotheke hätte aber sicher kein Unsatzplus durch einen Player mehr, dadurch gibt es ja bei uns nicht mehr Patienten oder Verordnungen. Und dass die dann ins Internet Geschäft einsteigen, finde ich nicht erstrebenswert, ob international oder nationale Versandapotheke, das macht keinen großen unterschied.
Ach ja, und zum Thema Verblisterung: das bieten tatsächlich unsere kleinen Apotheken vor Ort schon an. Die meisten Formen davon halte ich allerdings für ziemlichen Wahnsinn: ein großer Teil der Menschen macht sich Gedanken, wie man Verpackung reduzieren kann, aber Tabletten schweißen wir in tonnenweise Plastikschläuche ein. Wieso selbst Fachpersonal in Heimen nicht zugetraut wird, aus normalen Packungen Tabletten nach Medikamentenolan zu dosieren, muss man nicht verstehen.