Danke, Herr Klaproth, für diesen wertschätzenden Kommentar für die hier gerühmte Entwickler*innenleistung, in der, das sollte hier zumindest erwähnt werden, auch die vielen Anregungen, Fragen und Wünsche wie auch die vielen Verweise auf bugs von seiten der ungezählten Anwender*innen enthalten sind.
Auch ich habe mich vor knapp 2 1/2 Jahren zum Wechsel des PVS entschieden, wenn gleich der damit verbundene "change-Prozess" bekanntlich einige Mühe und auch Zugeständnisse an die neue Umgebung erfordert (hat) - mithin ein unendlicher Lernvorgang, in dessen Verlauf - wie Sie es herauskehren - manche wertvolle user Erfajrung dazu beigetragen hat, dass manches leichter wurde, teilweise sprichwörtlich vergessen werden konnte, weil es durch Aktionsketteneinsatz - für die ich mich bis dato noch viel zu wenig interessiert habe - plötzlich leichtere und funktionale Routinen gab, die sich geradezu spielerisch nutzen lassen.
Nun möchte ich aber noch einige kritische oder besser gesagt, aufmunternde Worte für den bevorstehenden oder bereits begonnenen Prozess der Integration der elektronischen Patientenausweises (ePA) an dieser Stelle einbringen. Aus meiner - bekanntlich rein subjektiven Wahrnehmung - kommt mit der ePA eine technologische Weiterentwicklung in unser aller Praxisalltag, den sich vermutlich ausdrücklich keiner im Lande gewünscht, den vermutlich niemand bestellt hat!? Als prominentes Gegenargument, das bei einer so klaren Positionierung gegen eine noch gar nicht funktionsfähige Technologie geltend gemacht werden wird, gilt wohl das Beispiel des Notfallpatienten, der auf der Strasse bewusstlos aufgefunden dank der bei sich geführten Versichertenkarte KVK dem Notarzt in wenigen Sekunden all die wichtigen Informationen liefert, die ihm bei der Planung, Koordination und Durchführung der lebensrettenden Schritte wertvolle Zeit schenkt: ich will dies nicht das Totschlagargument nennen, doch ich meine, es hat wirklich grosses Gewicht. Wenn ich aber an das schützensweret Vertrauensverhältnis in der gewachsenen Beziehung zu meinem Patienten denke, da gesellt sich die ePA auf ganz unangenehme Weise wie ein ungebetener Gast, der ungefragt an diesem 2er Tisch Platz nimmt (- in der Gruppentherapie ist es eine kleine Gesellschaft von bis zu 9 TeilnehmerInnen, die ein Recht darauf hat zu erfahren, was aus den im Vertrauen geteilten, mitunter traumatisch durchlittenen Situationen aus einem früheren Entwicklungsabschnitt in diesem geschützten Rahmen wird, wie sicher diese diskret geteilten Angaben wird) zu uns ins Behandlungszimmer. Genug der Analogie zu der BigBrother Parabel, der bekanntlich aus der Beobachterposition von aussen in einem so gar nicht geschützten Prozess teil haben darf, weil, ja, weil es die Versicherungen oder wem auch immer dieser ambitinierte Entwicklungseifer zuzuschreiben ist, es so gewollt haben, dass diese Daten - und, Hand auf Herz, hier geht es eben nicht allein um diese ehrenhaften Sekunden, die Leben retten könnten, hier geht es um die verhängnisvolle und womöglich tragischen Folgen eines potentiellen - und gar nicht so unwahrscheinlichen Daten-(Macht)-Missbrauchs - man könnte auch von der Macht der Institutionen sprechen, die - jederzeit - den Zugriff auf die Daten haben, die (zu) dem Einzelnen - nicht gemäss der DSGVO, sondern aufgrund der Menschrechte - gehören.
Also zurück zum Text und der leicht geänderten Überschrift - Wertvolle Ressourcen verlangen behutsame Verwaltung anstatt leichtfertiger Heraus- oder Weitergabe - mir wäre deutlich weniger unheimlich zumute, wenn ich doch wüsste, was im Laufe der möglichen, denkbaren wie auch unvorstellbaren Szenarien werden könnte aus den allzu leichtfertig in Umlauf gebrachten Daten - auch wenn's zunächst nur um das Formular PTV 11, den eArztbrief und um die Verdachtsdiagnose gehen sollte, die - spätestens ab Oktober 2025 für alle Anwender*innen verbindlich hinterlegt werden müssen. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, doch denke ich durchaus an die vielen Beispiele einer Technologie, die dem Goetheschen Brunnen aus dem Zauberlehrling so ähnlich sind, der die herbeigerufenen Geister nun nicht wieder los wird... Michael Wagner