Lieber Herr van Ganswijk
Danke für das Beispiel, das ist ein lehrreicher Fall — und ich glaube, die KI hat sich weniger verrannt als es aussieht.
Der KarteiChat hat für verschiedene Bereiche verschiedene Werkzeuge: eines für die Medikation, eines für die gesamte Dokumentation, eines für Diagnosen. Welches er benutzt, entscheidet er anhand Ihrer Frage. „Wurde Thiaprid abgesetzt" ist für ihn eine Medikamentenfrage, also schaut er in die Medikationshistorie, findet dort einen Eintrag — und hält die Frage damit für beantwortet. Er sucht nicht schlecht, er hört zu früh auf. Dass er Ihren Karteieintrag im zweiten Anlauf sofort gefunden hat, zeigt ja: erreichbar war er die ganze Zeit.
Bei mir reicht es meistens, das in der Frage selbst dazuzusagen:
„Wurde Tiaprid abgesetzt? Schau bitte nicht nur in den Medikamentenplan, sondern auch in meine Karteieinträge — der Plan ist bei uns nicht immer nachgeführt. Eine Anordnung im Text zählt auch als Absetzung. Wenn sich beides widerspricht, sag mir das ausdrücklich."
Mehr braucht es nicht. Wichtig sind nur die drei Bestandteile: wo er suchen soll, dass der Plan nicht die letzte Wahrheit ist, und der Auftrag, einen Widerspruch zu benennen. Zusätzlich hilft, pro Frage nur eine Sache zu fragen — „wurde abgesetzt / wann / warum" sind drei, das „wann und warum" lieber nachschieben.
Ihren Wunsch an zollsoft würde ich trotzdem unterstützen, nur enger gefasst: nicht „immer überall suchen" (das bläht jeden Kontext auf), sondern eine Gegenprüfung speziell bei Medikationsfragen — Plan gegen Karteitext, mit Ausgabe der Diskrepanz. Das wäre nebenbei ein gutes Qualitätswerkzeug: Ihr Fall war am Ende kein KI-Fehler, sondern ein nicht nachgeführter Medikamentenplan, den die KI sichtbar gemacht hat.
Als Merksatz für den Alltag (falls Sie das intern weitergeben wollen) — an jede Faktenfrage anhängen:
„Schau dafür in die ganze Kartei, nicht nur in den naheliegenden Bereich. Wenn sich Quellen widersprechen, nenne den Widerspruch mit Datum."
Beste Grüße, Richard Kupke