Michael Wagner
Im Webinar am vergangenen Dienstag haben Jan-Ole Finkeisen und Torsten Lütkemeier von/für tomedo den Anwender*innen die verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt, wo die Künstliche Intelligenz im Praxisalltag Arbeitsprozesse zusammenfasst und - Stichwort "Aktionsketten" in vielfacher Weise die routinierten Arbeitsvorgänge in die Praxis umzusetzen hilft.
Mich würde nun interessieren, ob und inwieweit KI auch bei der Erstellung der aus vielfacher Perspektive - und, im wahrsten Sinne des Wortes - anspruchsvollen VerlaufsProtokoll Erstellung von Gruppentherapie Prozessen behilflich sein kann und - fragen kostet ja nichts - ob hier bereits jemand Erfahrungen sammeln konnte und diese einbringen mag.
Ich habe bis zum heutigen Tage meine Hemmung in der intensiven Beschäftigung mit Aktions Ketten jedenfalls nicht überwinden können, bin mir zugleich sicher, dass in vielfacher Hinsicht - etwa, wenn eine bestimmte Diagnose auftaucht, entsprechende Arbeitsschritte, also eine geeignete/angezeigte Differenzialdiagnostik zum Einsatz kommen kann.
Oder was besonders relevant ist, inwieweit kann die ki mich darin unterstützen, eine bessere Übersicht über die bewilligten und bereits verbrauchten Einzel beziehungsweise Gruppensitzung zu erhalten: dies hat in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen oder unnötigen Diskussionen darüber geführt, wie es mit der Leistungsübernahme außerhalb des bewilligten Zeitrahmens aussieht.
Das Webinar hat auf jeden Fall viele Anregungen gegeben, wie im Alltag einer psychotherapeutischen Praxis Dinge vereinfacht, automatisiert, ritualisiert werden können.
Mich konkret würde nun interessieren, ob und inwieweit die Testergebnisse etwa aus der ICD 10 störungs spezifische Statusdiagnostik/ Eingangs Anamnese durch die KI aufgeschlüsselt und in die Akte integriert werden könnten.
Gruss Michael W.
Dr.Christoph Hainich
Hallo, ich gehöre sicher nicht zu den von Ihnen adressierten "Anwender*innen", für mich ist Tomedo ein Werkzeug zum Benutzen. In Ihrer Vision wird Tomedo zum Ersatz Ihrer Fähigkeiten und Sie degradieren sich zum Bediener mit weiter fallenden Einkünften. Wollen Sie das wirklich?
Grüße aus dem wilden Harz
A. Hoffmann
@Christoph Hainich - Ich bin zwar auch kein "Anwenderinnen", was auch immer das sein soll, aber ich verstehe die Frage so, dass es um die Entlastung bei administrativen Aufgaben geht - was doch ein wunderbares Einsatzgebiet für AI wäre. Soll die AI doch die Bürokraten befriedigen, und wir finden mehr Zeit für unsere eigentliche Arbeit.
Dr.Christoph Hainich
@A. Hoffmann: Die "eigentliche Arbeit" des selbständig niedergelassenen Arztes ist nicht bürokratiebefreit denkbar: Rechnungslegung mag der Automat übernehmen, die zu Grunde liegende Leistung und deren Dokumentation ist schon mit der Dokumentationspflicht das Einfallstor der Bürokratie. Schon der Entscheid, ob ein Diagnosenschlüsssel nur ein Symptom adressiert oder man die zu Grunde liegende Ursache korrekt aufklärt, verschlüsselt und dazu das (für Industrieländer untaugliche) WHO ICD-System nutzen muss, ist Selbstüberwachung oder eben auch Bürokratie. Ich gebe zu, dass die Rahmensetzung und Denke (framing / mind set) sich mit zunehmenden Berufsjahren in der Selbständigkeit (bei mir >25 Jahre) deutlich ändert und der Blick auf Neuerungen zunehmend kritisch wird.
Jan-Ole Finkeisen
Hallo Herr Wagner,
sollte sich niemand mehr melden, würde ich Ihnen anbieten, dass Sie sich einen Termin bei mir buchen können, in dem wir gemeinsam gucken, was Ihr Ziel ist und wo unsere Ki Ihnen schon helfen kann oder wo wir ggf. Noch nachbesser könnten.
Ich kann mir vorstellen, dass das für beide Seiten spannend sein kann.
Buchen Sie gerne unter diesem Link: https://calendar.app.google/XJu3DCiKXH9UoeJU7
Viele Grüße
Jan-Ole Finkeisen
Michael Wagner
Hallo Herr Finkeisen, die Idee ist großartig. Ich denke, ich werde Ihren Link aufgreifen und einen Termin machen. Die selbst-kritische Anmerkung des Diskutanten aus dem wilden Harz beschreibt ganz gut die Ambivalenz, die sich in Anbetracht der in atemberaubendem Tempo sich weiter ausbreitenden IT/KI gestützten Automatisierung für die/den Anwender*in ergibt, die/der ja in erster Linie - oder sollte ich sagen ursprünglich einmal - das Interesse beziehungsweise die Anliegen der Versicherten im Blick hatte. In Anbetracht der vielen Stunden, die ich in den zurückliegenden zwei Jahren rund um die Herstellung - Wiederherstellung - Reparation und selbstverständlich auch Weiterentwicklung und der Optimierungsbemühungen zugebracht habe, habe ich nicht akribisch festgehalten. Hätte ich es getan, hätte ich vermutlich Zweifel, ob die Rechnung am Ende aufgehen wird, ob also die künstliche Intelligenz nicht deutlich mehr Fragen - und damit Probleme generiert als dass die bestehenden aus dem Praxisbetrieb heraus gewachsenen Anforderungen zeitnah und zu allseitiger Befriedigung zu beantworten. Ich merke jedenfalls, wie ich in der Diskussion mit Kolleg*innen, die die Anbindung an die TI konsequent verweigern, insgesamt deutlich entspannter wirken. Allein Diskussionen wie diese können und sollten nicht nicht geführt werden, da - so die Illusion, die in den Jahren rückläufig ist - doch immer noch der Mensch vorm Rechner sitzt, der die KI/AI nutzt oder sich bewusst gegen den Einsatz und damit den Fortschritt entscheidet: die Diskussion um die Dialektik der Aufklärung II wäre damit eröffnet.
Gruss in den Harz - und sonst wo hin... M.Wagner
Andreas Tenzer
Sorry fürs Off-Topic!
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Lieber Herr Hoffmann,
Sie kommentieren den Ausdruck „Anwender*innen” mit „was auch immer das sein soll”. Ich nehme das zum Anlass, einmal darauf einzugehen — fair, aber offen.
Vorab: Niemand will Sie zum Gendern bringen. Sie dürfen schreiben, wie Sie möchten — das ist Ihr Recht, und ich stelle es nicht infrage. Was mir auffällt, ist das Umgekehrte: die Beharrlichkeit, mit der Sie anderen ihre Sprache zum Vorwurf machen — und vor allem, wo Sie das tun.
Das passiert seit Jahren immer wieder in Threads, die mit dem Thema nichts zu tun haben:
• Bei einem technischen Hinweis zu einem PostgreSQL-Problem auf M1/M2-Macs nennen Sie die Anrede „pseudointellektuelle Gender*innengedönsblöds_innen” und schreiben, Sie hätten „nach dem ersten Satz keine Lust mehr, weiterzulesen”.
• In einem Thread zu einer akuten TI-Störung, wo Kollegen unter Druck eine Lösung suchten: „der Plural tut nicht weh, Doppelpunkte gehören nicht in deutsche Wörter, und technische Probleme werden auch durch Sprachvergewaltigung nicht gelöst.”
• In einem weiteren TI-Thread schreiben Sie, „Gendern und Klima” sei ja wichtiger als eine funktionierende digitale Infrastruktur, und schließen mit „Deutschland hat sich abgeschafft”.
• Beim Release der arzt-direkt Online-Rezeption erklären Sie Doppelpunkte zu „Schreibfehlern” und „politischem Statement” und verweisen auf „80% der Bevölkerung, die das Gendern ablehnen”.
• Im Medikamendo-Thread ist von „woke Diskriminierung” die Rede und davon, ein Doppelpunkt löse bei Ihnen „extremes körperliches und psychisches Unwohlsein” aus.
Und schon 2021, im Newsletter-Thread, fielen „Genderwahn”, das Thema „ankotzt”, und Gegner des Genderns würden als „Verachter von Diversen oder Mutanten” beschimpft.
Sehen Sie, das ist der Kern. „Gender*innengedönsblöds_innen”, „Sprachvergewaltigung”, „Genderwahn”, „Deutschland hat sich abgeschafft” — das ist keine Sprachkritik mehr, das ist Verhöhnung derer, die eine andere Schreibweise wählen. Und weil es fast immer in fremden, fachlichen Threads geschieht, hat es eine konkrete Wirkung: Es lenkt vom eigentlichen Thema ab. Wenn jemand bei einer TI-Störung Hilfe braucht oder einen Update-Workaround teilt, geht es um genau das — nicht darum, ob Ihnen die Anrede gefällt. Ihre Einwürfe kapern den Thread und drängen das Anliegen in den Hintergrund, das die anderen klären wollten.
In einem der TI-Threads hat ein Kollege Sie bereits gebeten, das Forum nicht für politische Diskussionen zu nutzen, weil das kollegiale Miteinander sonst „unnützerweise beschädigt” werde.
Ich hatte Ihnen ja selbst schon vorgeschlagen, dafür gerne einen eigenen Thread zu eröffnen. Das meine ich ernst und gar nicht abweisend: Wenn Ihnen das Thema so wichtig ist, ist ein eigener Thread der richtige Ort. Dort kann jeder, den es interessiert, zielführend Argumente austauschen — ohne dass die Aufmerksamkeit in einem Technik- oder Hilfe-Thread vom eigentlichen Sachverhalt abgezogen wird.
Zu Ihren wiederkehrenden Sachargumenten kurz:
Das Gleichbehandlungsgesetz schützt vor Benachteiligung wegen bestimmter Merkmale — davor, dass jemandem eine Leistung, ein Vertrag oder eine Behandlung verweigert wird. Es schützt nicht davor, eine inklusive Sprachform lesen zu müssen. Durch ein „Patient:innen” wird niemandem etwas vorenthalten.
Der Verweis auf staatliche Verbote trägt nicht: Einige Länder haben Sonderzeichen im behördlichen Bereich untersagt, aber diese Verbote sind selbst umstritten — die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat sie 2024 als verfassungsrechtlich bedenklich eingestuft. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Sonderzeichen zwar nicht in die amtliche Regelung aufgenommen, aber ausdrücklich kein Verbot empfohlen. Und die „80%”-Zahl misst Ablehnung von Sonderzeichen — nicht etwa von Paarformen wie „Kundinnen und Kunden”, die tomedo selbst regelmäßig verwendet und die seit jeher anerkannt sind.
Mir geht es nicht darum, wer von uns das Gendern besser findet. Mir geht es um zweierlei: dass Sie dieselbe sprachliche Freiheit, die Sie für sich beanspruchen, auch anderen zugestehen — und dass fachliche Threads dem Thema vorbehalten bleiben, um das es dort geht.
Viele Grüße aus Augsburg
Andreas Tenzer
Dr.Christoph Hainich
Zur Versachlichung würde beitragen, den Unterschied von gesprochener Sprache und Rechtschreibung zu akzeptieren, schließlich hält die Orthographie hier den DACH-Raum einschl. Liechtenstein, Südtirol und Belgien zusammen, obwohl dort ganz anders konkret gesprochen werden kann. Das Einbringen von akademischen Soziolekten in eine technische Situation ist ganz sicher nicht hilfreich. "das ist keine Sprachkritik mehr, das ist Verhöhnung derer, die eine andere Schreibweise wählen" ist ganz sicher nicht neutral, sondern eine Wertung und gehört in parteipolitische Zirkel - gern mit Hochschulbezug -, aber tatsächlich nicht ins Forum. Aktuell ist keine umfassende Rechtschreibreform in Sicht, sodass neben bekannten konkurrierenden Schreibweisen mit Buchstaben keine Sonderzeichen im Deutschen benötigt werden.
Grüße aus dem wilden Harz
A. Hoffmann
Es ist die schweigende Mehrheit, die dem Bösen den Zugang zur Macht gewährt. Was immer wieder als "inklusiv" zum nicht Abzulehnenden verklärt wird, und mit Beharrlichkeit wiederholt wird, schleicht sich als neue Normalität in unser Bewusstsein. Gerne können wir uns alle auf das Fachliche konzentrieren - keine extremistische Indoktrination, und keine öffentliche Ablehnung derselben. Und wenn ich Tools wie die online-Rezeption nutze, dann möchte ich diese meinen Patienten in korrekter Sprache anbieten können, und dafür nicht erst Umwege gehen müssen.
Andreas Tenzer
Lieber Herr Hainich,
Sie haben ganz Recht: „Verhöhnung” ist eine Wertung, und insofern habe auch ich eine Grenze überschritten. Mir ging es um den Tonfall, nicht um die Sachfrage Gendern — aber Sie haben recht, dass auch eine solche Charakterisierung in einem Fachthread eigentlich nichts zu suchen hat. Das nehme ich an, und ich halte mich künftig selbst daran.
Lieber Herr Hoffmann, einen Satz dazu, dann lasse ich es: Wenn die Sprachform eines Kollegen zu „dem Bösen” und „extremistischer Indoktrination” wird, dann ist genau das der Tonfall, um den es mir ging. Ich erwidere ihn bewusst nicht. Und zur „schweigenden Mehrheit”: Ein Blick auf die Bewertungen hier im Forum zeichnet aus meiner Sicht ein anderes Bild, als Sie annehmen.
Damit bin ich einverstanden mit dem, was hier offenbar Konsens ist: zurück zum Fachlichen. Wer über Sprache diskutieren möchte, findet dafür in Zukunft hoffentlich gern einen eigenen Thread — ich lese da auch interessiert mit.
Viele Grüße aus Augsburg
Andreas Tenzer
Gerrit Sturz
@Zollsoft: (Wann) gibt es das Webinar auf Youtube bzw Tomedo Campus? ich hab es leider verpasst.
Hans Jörg Baumann
Lieber Herr Tenzer,
vielen Dank für Ihre Aktivität.
Für mich ist das Tomedo-Forum eine der wenigen Ausnahmen in meinem begrenzten Social-media-Kosmos, in dem praktisch ausschließlich positive Energie erkennbar und spürbar ist. Wie schön und cool ist es, dass hier so viele Menschen freiwillig und unentgeltlich anderen Nutzern (und natürlich auch Nutzerinnen) helfen, kleine und große Probleme gelöst zu bekommen. Wenn wir diese Art der Zusammenarbeit in anderen Bereichen unserer Gesellschaft in ähnlicher Weise pflegen könnten, wären viele Probleme und Krisen, die uns alle beschäftigen und vielleicht sogar bedrohen, leichter zu bewältigen.
Das Hineintragen von Problemen in das Forum bringt hier nur Unruhe und Ärger. Konstruktive Kritik ist immer willkommen, meckern aber nicht.
Ich wünsche allen Menschen weiterhin eine gute Zusammenarbeit.
Michael Wagner
Meine Herren, ich bin doch überrascht, zwischendurch war ich auch entsetzt, welch unerwartete Emotionen durch die für mich korrekte und auch zeitgemäße Ansprache der Nutzerinnen und Nutzer dieses Anwenderforums provoziert würden, wobei die Diskussion um die eigentliche Sache, die Möglichkeiten, Risiken, aber auch Grenzen, die uns die künstliche Intelligenz im täglichen Arbeitsalltag beschert, dadurch nicht wirklich tangiert, geschweige denn beantwortet wurde. Ja, und ob ein Nutzer Forum sich von der Neigung, seine persönlichen Vorbehalte gegenüber dem "Strukturwandel der Öffentlichkeit" wie in den SM abgrenzen oder soll ich sagen, abschotten kann, das sei ebenfalls dahingestellt. Ich bin Ihnen, Herr Tenzer für Ihre differenzierte Antwort auf das von Polemik gezeichnete Antwortverhalten des von Ihnen angesprochenen - sag ich vielleicht besser Leser - nein, ich bleibe beim Anwender - jedenfalls sehr dankbar. Ob sich ein solcher "Diskurs" in einer Groß Gruppe bei einem regionalen Anwendertreffen auch ereignet hätte sei dahingestellt. In der Hoffnung auf die Fortdauer eines konstruktiven, gedanklich fachlichen Austausches in diesem Forum sende ich meine kollegialen Grüße in die Nutzer*innen Gemeinde.
M.Wagner