Sebastian Schmitt
Hallo liebes Forum,
bisher ist bei uns weder Spracherkennung noch Sprechstundenassistent zum Einsatz gekommen.
Dies soll sich nach dem Hochlaufen der Praxis nun aber ändern. Ich bin auf der Suche nach einem systematischen Überblick zwischen Spracherkennung in Tomedo (bzw. externer Lösung) und dem Sprechstundenassistenten.
Aus meiner Sicht (Tomedo Website, Forumsbeiträge etc.) ist die Spracherkennung mit dem Sprechstundenassistenten eigentlich überholt, wenn ich die Gespräche direkt analysieren lassen kann und nicht nach der Sprechstunde bzw. in der Sprechstunde separat diktieren muss. Zudem ist der Sprechstundenassistent (zumindest aktuell) kostenfrei, während die Spracherkennung etwas kostet.
Gibt es Erfahrung aus der Community, die beides im Einsatz haben/hatten.
Wie regelt ihr ggf. die Zustimmung der Patienten zum Aufzeichnen der Gespräche?
Freue mich über einen Austausch.
beste Grüße,
Sebastian
Jan-Ole Finkeisen
Hallo Herr Schmitt,
zu den Erfahrungen würde ich mich auch sehr über die Berichte Ihrer Kollegen freuen.
Ein bisschen Einblick möchte ich aber trotzdem geben:
Der Unterschied aus meiner Perspektive ist der Fokus. Mit dem Sprechstunden-Assistenten kann man das Gespräch zusammenfassen lassen. Wenn Sie aber über ein Gespräch mit dem Patienten hinaus per Sprache dokumentieren wollen, brauchen Sie die Spracherkennung.
Der Sprechstunden-Assistent wird mindestens in der Basis Version ohne zusätzlich Kosten bleiben. Sollten weitere Funktionen hinzukommen, die auf unserer Seite hohe Kosten erzeugen, würden wir uns überlegen, diese transparent weiterzugeben. Das zeichnet sich bisher aber nicht ab.
Falls Sie über das Feedback hinaus gerne Ihre eigenen Tests machen möchten, können wir Ihnen auch die Testversion der Spracherkennung für einen Monat freischalten.
Viele Grüße
Jan-Ole Finkeisen
Sebastian Schmitt
Vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung, Herr Finkeisen.
Es freut mich zu hören, dass der Sprechstundenassistent weiterhin ohne zusätzliche Kosten bleiben wird.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Ansätzen ist aus meiner Sicht auch, dass der Assistent auf die Cloud angewiesen sein wird, während die Spracherkennung lokal läuft. Ist das ggf. ein sicherheits- bzw. datenschutztechnisches Thema?
beste Grüße,
Sebastian Schmitt
Jan-Ole Finkeisen
Das ist richtig und sicherlich nicht zu vernachlässigen.
Dadurch, dass die Daten aber in der Cloud nur verarbeitet und nicht gespeichert werden, ist die Nutzung aus unserer Sicht datenschutztechnisch erlaubt. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie den Einsatz aber vorher prüfen lassen.
Grundlegende Informationen zur Verarbeitung finden Sie hier: https://support.tomedo.de/handbuch/tomedo/tomedo-intelligence/#datenschutz
Sollten Sie weitere Informationen benötigen, unterstützen wir gerne.
Sebastian Schmitt
Was genau meinen sie mit "Einsatz vorher prüfen lassen" - von wem und nach welcher Prüfnorm? Ich gehe davon aus, dass Sie als von der KBV zertifizierter Hersteller diesen Einsatz geprüft haben?!
Jan-Ole Finkeisen
Wir prüfen / lassen prüfen, ob die KI Anbieter, mit denen wir zusammenarbeiten, die Anforderungen an den Datenschutz erfüllen. Aus unserer Sicht können daher die KI Tools ohne Bedenken eingesetzt werden, weil die Anforderungen erfüllt sind. Wenn Sie Bedenken bezüglich Cloud haben, sollten Sie den Einsatz von einem Datenschutzbeauftragten prüfen lassen, um auf der sicheren Seite zu sein.
Sebastian Schmitt
Danke für die Klarstellung ;-) Jetzt bin ich wirklich noch gespannt auf weitere Rückmeldungen "aus dem Feld".
Andreas Baum
Hallo Herr Schmitt,
Ich nutze täglich die Spracherkennung und habe bislang nur etwas halbherzig nit dem Sprechstundenassistent (SA) herum gespielt.
Teilweise sind die Ergebnisse des SA wirklich erstaunlich gut, vor allem, wenn man den Prompt entsprechend wählt. Leider dauert es teilweise sehr lange, bis die Trsanskrition fertig ist. Dazu kommt, dass man aktuell den Patienten ja noch aufklären sollte, dass die Aufnahme gemacht wird. Und dann ist das Ergebnis eben häufig auch NICHT so gut, wie ich es mir wünsche, vor allem, wenn das Gespräch sich nicht so wirklich strukturieren ließ (wie es in meinem Fach, der Neurologie, manchmal vorkommt). Und dann muss ich nicht nur lange warten, biss der SA seinen Text fertig hat sondern muss dann auch noch alles durchlesen und korrigieren etc.
Mein Workflow mit der Spracherkennung ist da ein anderer: Direkt nach dem Patientenkontakt rufe ich mir nacheinander die Textfelder für Anamnese, Befund und Epikrise auf und diktiere die sofort rein. Dann ist alles dokumentiert und daraus wird im Anschluss von den MFA der Brief erstellt. Ich schlage also zwei Fliegen mit einer Klappe: Domumentation und Briefschreibung. Ich kann dann in der Epikrise eben auch noch eigene "Gedanken" unterbringen und auch entsprechend formulieren. Ich gebe zu, dass die Spracherkennung auch nicht perfekt ist. Teilweise schreibt sie auch mal Quatsch und ich muss die Texte schon kurz überfliegen. Aber das geht sehr sehr flott und ich übersehe auch mal was. Aber es kostet viel weniger Zeit, wie wenn ich die Anamnese des SA korrigieren muss und ich kann es formulieren, wie ich es will.
Fazit: Wäre ich Hausarzt, müsste hauptsächlich "nur" der Dokumentation nachkommen und müsste keine Briefe schreiben, dann wäre der SA das perfekte Tool. Denn dann hätte ich in den meisten Fällen eine perfekte Zusammenfassung. Meinen Workflow und meine Art der Formlierung in den Briefen trifft der SA aber noch nicht so, wie ich es gerne hätte.
Ich hoffe aber weiter auf Verbesserungen und bleibe da dran. Ganz ohne Spracherkennung wird es für mich wahrscheinlich nicht gehen. Aber mal abwarten. Vielleicht muss ich mich auch noch mehr damit beschäftigen und vor allem den Prompt des SA besser bauen..
Viele Grüße Andreas Baum