Immer mehr Patienten kommen inzwischen mit einer elektronischen Patientenakte (ePA), in der bereits Daten von der Krankenkasse hinterlegt wurden. Grundsätzlich ist das eine gute Entwicklung – allerdings stellt die schiere Datenfülle ein praktisches Problem dar: Die Datenmenge ist so groß, dass sie im Praxisalltag kaum sinnvoll ausgewertet werden kann.
Ein aktuelles Beispiel zeigt das deutlich: Über 100 Seiten mit Leistungsdaten wurden in die ePA eines Patienten eingepflegt. Ich kenne niemanden, der die Zeit hat, solche Daten systematisch durchzugehen.
Derzeit scheint es, als sei ich in meinem Umfeld einer der wenigen, der eigene Befundberichte aktiv in die ePA einstellt. Zwar können auch Radiologieinformationssysteme (RIS) Berichte hochladen – diese sind aber bei mir nicht nicht lesbar. Angeblich erfolgt der Upload dort automatisch, ohne dass Abrechnungsziffern hinterlegt werden und ohne dass ich als weiterbehandelnder Arzt Einblick erhalte. Da ich viele Befunde parallel per KIM erhalte, kann ich die Unterschiede gut vergleichen.

Ich habe versucht bei dem gezeigten Beispiel, die von den Krankenkassen zur Verfügung gestellten Daten zu exportieren und mithilfe eines selbst entwickelten Programms strukturiert aufzubereiten und auszuwerten. Leider funktioniert das nicht, weil es keine Möglichkeit gibt die Daten in den Zwischenspeicher zu bekommen.
Mit meiner eigenen Patientenakte ist das aber problemlos möglich.
Meine anfängliche Skepsis gegenüber der ePA hat sich dadurch bestätigt: Die Daten allein helfen wenig, wenn die Auswertung zu zeitintensiv ist. Es braucht dringend geeignete Tools, um die Daten strukturiert, schnell und praxisnah analysieren zu können.
Mich interessiert sehr, wie andere Kolleginnen und Kollegen das sehen.
Aktuell ist die großzügige Vergütung der Erstbefüllung ein angenehmer Anreiz – der Vorgang dauert nur wenige Sekunden. Auch das Notfalldatenmanagement (NFDM) ist grundsätzlich eine sinnvolle Idee. Viele der dort geforderten Informationen erfassen wir ohnehin, allerdings müssen sie derzeit manuell ins NFDM übertragen werden. Hier würde ich mir einen Automatismus wünschen: bestimmte Inhalte aus der Patientenakte sollten direkt in den Notfalldatensatz übernommen werden können. Dasselbe gilt für Patientenverfügungen oder ähnliche Dokumente – wenn sie bereits in der Kartei liegen, sollten sie auch automatisch in der ePA bzw. im Notfalldatensatz erscheinen.
Wenn auch der umgekehrte Weg – also das Auslesen strukturierter Daten aus der ePA – genauso automatisiert wäre, könnten wir im Praxisalltag deutlich effizienter arbeiten und hätten eine klar strukturierte Übersicht über alle relevanten Informationen.