ePA – die digitale Altpapiertonne mit Abrechnungscode
Ab Oktober sind wir verpflichtet, jeden erstellten Befundbericht in die ePA zu laden. Klingt erst mal vernünftig – auf dem Papier zumindest.
In der Realität entwickelt sich das Ganze allerdings zu einer Art digitaler Selbstbedienungsladen.
Besonders kreativ zeigen sich dabei manche hausärztlich tätige Kollegen: Statt eigene, aktuelle Befunde hochzuladen, findet man in der ePA plötzlich acht Jahre alte Physiotherapieberichte oder andere völlig irrelevante Altakten – gerne auch aus fremder Hand - weil man ja selbst keine vernünftigen strukturierten Befunde verfasst, die man hochladen könnte. Die medikationspläne enthaalten handschriftliche kaum emtzifferbare Notizen. Bei solchen Kollegen steht auch auf den Überweisungsscheinen meist nur unbrauchbarer Schwachsinn.
Hauptsache, die Erstbefüllungspauschale fließt. Relevanz? Medizinischer Nutzen? Nebensache.
Eigene, relevante Befunde? Fehlanzeige. Dafür jede Menge Datenmüll – offenbar nach dem Motto: "Hauptsache was drin, egal was."
Und jetzt wird sogar darüber diskutiert, ob man eine Statistik-Funktion einbauen könnte, um zu sehen, bei welchen Patienten man die Pauschale noch abgreifen kann.
Ernsthaft? Eine Art „Erstbefüllungs-Abrechnungstrichter“ in Statistikform?
Vielleicht gleich noch mit Ampelfarben: grün = lohnt sich noch, rot = Ausschlachtung abgeschlossen?
Mal im Ernst: Bei jedem Patientenkontakt sieht man doch sowieso, ob eine ePA vorhanden ist.
Für so eine „Statistik“ Ressourcen zu verschwenden, während es an anderer Stelle genug echte Baustellen gibt, ist schon bezeichnend.
Das alles sagt weniger über den Stand der Technik als über den Stand mancher Kollegen aus.
Man fragt sich unweigerlich, ob da einige nicht besser in der Verwaltung oder im Vertrieb gelandet wären. Medizinisch hat das Ganze jedenfalls immer weniger Substanz.